Glücklicher Leben

Wie viel Nähe braucht man(n) eigentlich?

Das ist eine Frage die mich persönlich schon seit vielen Jahren immer wieder einmal beschäftigt. Hervorgerufen durch die Tatsache, selbst nur sehr wenig direkte Nähe zu brauchen. Damit meine ich Nähe in Form von Händchenhaltend durch die Stadt zu gehen, oder in der „Löffelchenstellung“ einzuschlafen (wobei letzteres bei mir eher zu Schnappatmung führt als zu romantischen gemeinsamen Träumen).

Als Psychologin habe ich dann irgendwann begonnen mich gezielt mit der Frage auseinanderzusetzen: Wie viel Nähe braucht man(n) eigentlich und wie viel brauche ich – und musste eklatante Unterschiede feststellen. Männer geben uns gerne Nähe und denken, dass sie uns damit auch Geborgenheit geben. Jetzt bin ich aber so aufgewachsen, dass ich gelernt habe auch ohne zu viel (körperliche) Nähe ausgesprochen gut zu Recht zu kommen. Um nicht zu sagen, sehr gut sogar. 

Wenn ich den Erzählungen meiner Mama glaube (und das tue ich immer), war ich, zu ihrem Leidwesen, schon als kleines Mädchen gar nicht so erpicht auf Kuscheln und ähnliches.
Natürlich ist es zeitweise wunderschön einmal in den Arm genommen zu werden – trotzdem finde ich den Weg durch einen Supermarkt seit vielen Jahren alleine und bin immer wieder beeindruckt, wenn Pärchen neben mir Hand in Hand durch die Regale schlendern und es dann tatsächlich sogar dazu kommen kann, zu diskutieren wer jetzt die Packung Spaghetti in den Wagen legen soll.

Wobei es für mich persönlich auch lustig ist zu beobachten, wie sich die „Naheverhältnisse“ im Laufe einer Beziehung ändern können. Am Anfang ist oftmals der „siamesische“ Zustand zu beobachten. Bei Frischverliebten die sich ganz festhalten, wahrscheinlich um sich nicht wieder zu verlieren. Nach einiger Zeit wissen sie dann aber anscheinend, dass sie sich, auch wenn sie sich nicht ständig an der Hand halten, nicht verlieren werden. Wobei der eine oder andere vielleicht schon gar nicht mehr so traurig darüber wäre – zumindest über einen temporären Verlust.

Dasselbe beim Einschlafen. Warum um alles in der Welt glauben Männer, dass Frauen es romantisch finden in der „Löffelchenstellung“ einzuschlafen?
Männer die sich im August frisch verlieben, glauben das übrigens auch… Wobei es für die eine, oder andere Frau mit Sicherheit wirklich wunderschön ist, gibt es jedoch auch welche, die sehr gerne auch weiterhin frei und unumklammert einschlafen wollen. Und das hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun, sondern einfach damit sich frei bewegen und frei atmen zu dürfen.

Warum fragen Männer also nicht einfach nach, welcher Nähe- & Kuscheltyp man ist? Warum wird das verallgemeinert, wie die Tatsache, dass Frauen rote Rosen und Schuhe lieben? Auch das stimmt nicht bei allen!

Aber noch einmal zurück zum Thema „Nähe“. Ich persönlich hätte mir wirklich (Ehrenwort) vorgenommen, das mit dem Zulassen mehr körperlicher Nähe jetzt zu üben. Nämlich richtig zu üben und mich selbst in einen psychologischen Lernprozess zu begeben. Und was lernt eine Psychologin gegen Spinnenangst zu tun – ja, genau…. Sich mit der Angst, also in dem Fall mit der Spinne, auseinanderzusetzen.
Was liegt also näher, als sich gemeinsam mit anderen Menschen mit dem Thema „Nähe“ auseinanderzusetzen. Wobei das (für eine anständige Frau) organisatorisch ehrlich gesagt schwerer ist, als eine Spinnen zu finden…

Mein Plan war letztendlich also dieser, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und meinen Lösungsansatz mit einer beruflichen Weiterbildung zu kombinieren. So entschied ich mich eine Ausbildung zur „Cranio Sacral Therapeutin“ zu machen. Wenn schon, denn schon…
Im Prinzip ist das auch eine wirklich tolle Technik um entspannen zu können. Leider musste ich für meinen Teil jedoch feststellen, dass ich mich einfach lieber behandeln lasse, als selbst zu behandeln… Aber…. ich persönlich finde ja, dass es schon einmal ein toller Teilerfolg ist, auf dieser Ebene Nähe zuzulassen.

Ich werde also weiterhin Angst vor (großen) Spinnen haben, mich über emotionale Nähe sehr freuen, körperliche jedoch auch weiterhin nicht übertreiben und auf meiner Betthälfte schlafen und mich regelmäßig massieren und verwöhnen lassen – wie auch heute Abend von meiner in Wien lebenden Lieblings-Tibeterin. Das nenne ich einmal einen gesunden Kompromiss, oder….?