Glücklicher Leben

Wie oft bekommen wir ehrliches Feedback?

„Was ist denn mit deiner Nase?“ Das fragte mich die Verkäuferin beim Bäcker gestern ganz unverblümt. „Die ist ja schief…. Nein warte… Jetzt ist sie wieder gerade. Komisch…“

Zu Beginn dieses Gesprächs war ich ehricherweise noch etwas geschockt, ob der Frage. Gut, ich weiß selbst auch, dass meine Nase, wenn ich lache, schief wird. In den letzten 41 Jahren hat mich aber noch nie jemand so direkt darauf angesprochen. Warum aber eigentlich nicht, hab‘ ich mir dann so bei mir überlegt. Gedacht haben es sich ganz bestimmt schon unzählige Menschen. Im beruflichen Kontext, in meinen Vorträgen, in meinem privaten Umfeld.

Wenn wir glauben, jemanden mit unseren Worten verletzen zu können ist es aber oftmals so, Dinge lieber erst gar nicht anzusprechen. Ist es nicht so? Das kann bei körperlichen Gegebenheiten auch durchaus charmant sein – ich persönlich hätte auch keine Freude, wenn ich die Frage von gestern täglich hören würde. Trotzdem ist es mir enorm wichtig, zu erfahren wie andere Menschen zu Entscheidungen von mir stehen. Oder auch zu meinen Ideen und meiner Meinung zu Dingen.

Aber auch das hört man leider nur sehr selten. Zumindest, wenn es um die Dinge geht, mit denen andere nicht einverstanden sind. Das hört man dann meist erst, wie wir in Österreich das nennen, „hinten herum“. Nämlich von Personen, die es im Endeffekt oftmals gar  nicht betrifft. Und dann passiert es natürlich, dass man dieses Feedback nicht annimmt, weil man sich insgeheim denkt „Was geht den / die das denn überhaupt an? Die hat ja gar nichts damit zu tun“

Fakt ist aber, dass niemand von uns immer Recht hat und auch niemand von uns immer alles richtig macht. Um das zu wissen und insbesondere auch um unsere Grundideen in diesem Zusammenhang dann noch einmal überdenken zu können, braucht jeder von uns ein Feedback von außen. Auch, besser gesagt insbesondere, um in der Lage zu sein einen gedanklichen Perspektivenwechsel vornehmen zu können.

Wobei es schon wesentlich charmanter wäre, es weniger direkt zu machen, als die Dame in der Bäckerei. Je konstruktiver wir unsere Rückmeldungen ausformulieren, umso besser kann sie die andere Seite annehmen und etwas daraus machen.

Ich finde ja, wir sollten alle wieder lernen anderen ehrliches Feedback zu geben. Fangen Sie doch gleich heute noch damit an und sagen jemanden, was er / sie aus Ihrer Sicht heute schon besonders gut gemacht hat. Und üben Sie gegebenenfalls auch gleich die andere Seite – also, wenn Sie mit etwas nicht einverstanden sind. Wie könnten Sie das wertschätzend und konstruktiv so verpacken, dass es der / die andere auch annehmen kann und will, um sich dann individuell zu entscheiden, wie er / sie mit dieser Rückmeldung nun umgeht und vielleicht sogar etwas ändert.

Sie werden sehen… Im Endeffekt wird Ihnen jeder dankbar sein für offenes Feedback. Auch, wenn es am Anfang möglicherweise auch mal emotional wehtun kann. Wir können Dinge nur ändern, wenn wir sie reflektiert bekommen. Und dadurch ändern dann auch wir uns – zum positiven. Weil wir mit jeder Rückmeldung selbst wieder etwas dazulernen.