Glücklicher Leben

Wertschätzung und Fürsorge annehmen lernen

Wie schon vor zwei Tagen beschrieben, hat mich mein linkes Knie im wahrsten Sinne des Wortes entschleunigt, weil es über Nacht still und heimlich beschlossen hat Wasser einzulagern, sich nicht mehr schmerzfrei abbiegen zu lassen und ähnliche weitere Ideen entwickelte die mich einfach dazu gezwungen haben, meine eigene Geschwindigkeit zu reduzieren und mal wieder über mich selbst und meine eigenen Pläne nachzudenken.

Es ist wirklich faszinierend, wie sich Dinge fügen können, wenn man sich selbst die Zeit gibt die Geschwindigkeit zu reduzieren und so auch dem Gehirn mal wieder Zeit gibt, ganz in Ruhe zu arbeiten. Man kann vor den eigenen Gedanken nämlich richtig gut davonlaufen. Etwas, was ich meinen Patienten immer wieder sage, mir selbst aber schon lange nicht mehr eingestanden habe.

Diese Erkenntnis war also definitiv schon einmal ein richtig großer Vorteil meiner Knieschmerzen. Der zweite, noch viel schönere, Vorteil war dann noch zusätzlich, dass ich von meiner Außenwelt ein ganz großes Maß an Wertschätzung erfahren durfte. Ich persönlich bin nämlich (leider) jemand, der sich ausgesprochen schwer tut Hilfe anzunehmen und diese dann auch tatsächlich nachhaltig  zuzulassen. Was ich natürlich auch ausstrahle und was andere oftmals (eigentlich immer) davon abhält, mir irgendwie Nähe und Zuneigung zu zeigen, weil meine Mitmenschen davon ausgehen, dass ich das eh nicht will.

Was bis zu einem gewissen Grad auch stimmt. Ich habe schon sehr bald (im Kindesalter) gelernt selbst meine „Frau“ zu stehen und zu erfahren, dass man sich am besten nur auf sich selbst verlässt, um unabhängig und autonom zu bleiben. Um so eben auch nicht enttäuscht zu werden.

Die letzten Tage musste, respektive durfte, ich jetzt aber die Erfahrung machen, wie meine Umwelt darauf reagiert, wenn ich einmal nicht zu 100% fit bin und dadurch Schwächen zeige und Hilfe kombiniert mit Fürsorge zulasse. Und wissen Sie was, es war wunderschön! Von anderen umsorgt zu werden, Fragen gestellt zu bekommen wie es einem geht, ob man was braucht, was man gerne essen möchte, etc. taten mir und meiner Seele so richtig gut.

Und es hat mich zum Nachdenken gebracht… Plötzlich reagieren Menschen ganz anders auf mich – „nur“ weil ich einmal nicht im Eiltempo durch die Welt düse, mit meiner sonst üblichen „Ich helfe gerne allen, aber ich brauche sicher keine Hilfe-Ausstrahlung“.

Es ist jetzt natürlich nicht so, dass ich Ihnen auch Knieschmerzen wünsche. Ganz im Gegenteil! Die wünsche ich gar niemanden! Was ich Ihnen aber von ganzem Herzen wünsche ist eine Gelegenheit (wenn auch eine schmerzfreie), die Sie dazu bringt selbst auch wieder einmal zu entschleunigen und das eigene Tempo zu reduzieren und wahrzunehmen, wie liebevoll und fürsorglich die eigene Umgebung auf einen reagiert, wenn man es nur zulässt.

Wenn ich ganz ehrlich bin, nehme ich für diese Erfahrung und dieses Gefühl sogar Knieschmerzen in Kauf. Diese können einem nämlich wirklich erden und die eigene Welt sogar ein bisschen auf den Kopf stellen – im positiven Sinn. Sich selbst erden bedeutet nämlich auch die eigenen Gedanken wieder einmal auf den Boden zu bringen. Und dafür nehmen wir uns im Alltag alle einfach viel zu wenig Zeit. Deshalb glaube ich ja auch fast ein bisschen, dass mein Gehirn einen Befehl an mein Knie geschickt hat jetzt mal so richtig zu rebellieren. Und was soll ich sagen – es hat genutzt. Auch, wenn ich mir wünsche, dass mein Knie jetzt langsam aber sicher einen Befehl zurück ans Gehirn schickt. Nämlich „Auftrag ausgeführt“ und wieder aufhört weh zu tun.