Glücklicher Leben

Was uns unsere innere Stimme sagt

Im Prinzip bin ich es als Einzelkind gewohnt mit einer nicht sehr aufgeschlossenen Familie gut zurecht zu kommen. Dass es bei uns keine schönen Familienfeiern, gemeinsame Mittagessen am Wochenende oder ähnliches gibt habe ich irgendwann gelernt zu akzeptieren und in gewisser Form auch zu genießen – wenn ich mir die innerfamiliären Probleme von anderen ansehe, die sich zwar treffen, dann aber nur streiten.

Es hat einfach alles im Leben auch sein Gutes. In meinem Fall kann ich über meine Wochenenden und Feiertage immer frei entscheiden, weil es eben keine familiären Verpflichtungen gibt.

Trotzdem habe ich mich gestern, am ersten Adventsonntag, selbst dabei entdeckt, dass ich beim Lesen einer sehr schönen Wohnzeitschrift, beim Anblick einer Familie die gemeinsam kocht und im Hintergrund schon den schön gedeckten Tisch hat, ganz tief gestöhnt habe. Vollkommen intuitiv, ohne in irgendeiner Form darüber nachzudenken. In meinem Kopf dachte ich in diesem Moment eigentlich nur, das sieht aber wirklich sehr schön und gemütlich aus. Meine innere Stimme, also mein inneres Kind, musste aber ganz tief seufzen.

Das gab mir dann schon einige Zeit zu denken. Wir lernen im Erwachsenenleben immer stark zu sein und Dinge so hinzunehmen, wie sie sind. Mit der Tendenz stets das positive zu sehen, um uns das Leben so, trotz äußerer Umstände, zu erleichtern. Trotzdem verlernen wir durch diese Selbstdisziplin leider sehr oft auch die Selbstfürsorge.

Ich habe früher, in meiner Ehe, zum Beispiel leidenschaftlich gerne Gäste eingeladen und diese bekocht und verwöhnt. Ich wusste von jedem einzelnen über was er sich am Tisch besonders freut, wer welchen Wein er / sie bevorzugt, etc.. Nach meiner Trennung habe ich dann am Anfang niemanden mehr eingeladen, da ich beruflich in eine andere Stadt gegangen bin und mein Hauptfokus dort einzig und allein auf meiner Arbeit lag. Das war damals auch gut so. Ich habe nur verpasst, den Hauptfokus irgendwann auch wieder zu erweitern und Freunde einzuladen, bzw. auch einfach was mit Freunden zu unternehmen.

Gestern bin ich dann noch relativ lange alleine im Auto gesessen und habe mir zum ersten Mal seit langer Zeit überlegt, was sich mein inneres Kind eigentlich wirklich wünschen würde – was unsere gemeinsamen Freizeitaktivitäten angeht. Und ich bekam zur Antwort, dass es sich manchmal sehr einsam fühlt, weil es niemanden zum Spielen hat. Der Austausch mit Freunden und auch einfach mal nur Zeit für sich selbst zu haben sind nämlich Dinge die auch erwachsene Kinder brauchen. Wir brauchen das! Jeder einzelne von uns.

Ich habe meinem inneren Kind gestern dann zum Beispiel versprochen, dass „wir“ heuer Weihnachtskekse backen werden. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren. Ich habe mir sogar schon ein Teigrezept herausgesucht – eines bei dem mit Sicherheit nichts schief gehen kann und ich auch nicht stundenlang Formen ausstechen muss – das mochte ich nämlich schon als kleines Kind nicht. Es werden also Kekse die hoffentlich allen schmecken, mir und meinem inneren Kind bei der Zubereitung richtig viel Spaß machen und alle anderen dann einfach essen müssen. Ob sie wollen, oder nicht 🙂 .