Glücklicher Leben

Was uns unser Körper sagen möchte

Als Psychologin sage ich meinen Patienten wenn sie Schmerzen haben immer, dass das ein Zeichen unserer Seele sein kann. Zeichen, die sich oftmals sogar schon in Redewendungen erkennen lassen. Sagt jemand beispielsweise immer wieder Dinge wie „Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf“ neigt er /sie gerne zu Kopfschmerzen. Andere sagen „Das liegt mir im Magen“, diese Personen leiden oftmals unter einer chronischen Obstipation (einer chronischen Verstopfung), da sie nicht loslassen können. „Der/die zwingt mich immer wieder in die Knie“ hört man auch sehr oft. Das sind dann, Sie werden es schon vermuten, die Knie-Patienten.

Unser Körper steht in ständigem Dialog mit unserer Seele. Was mir erst in den letzten Tagen selber wieder enorm bewusst geworden ist. Seit einiger Zeit ist es in meinem eigenen Leben nämlich auch etwas turbulent. Rund um berufliche Entscheidungen und, nennen wir es einmal „Grundsatz-Überlegungen“. Ein Zustand, der mich selbst und meinen Körper sehr aktiv sein lässt. Insbesondere mein Gehirn kommt gar nicht zur Ruhe. Es dreht sich, denkt nach, dreht sich weiter. Und das ganze unterstrichen durch ein enormes Tempo, das ich in solchen Situationen vorlege, was man auch an meiner eigenen Schrittgeschwindigkeit erkennen kann. Ich habe überhaupt einen raschen Gang, was dazu führt, dass ich viele Freunde habe, die sich weigern mit mir spazieren zu gehen. In solchen Situationen gebe ich dann aber wortwörtlich noch mehr Gas – ein bisschen, als ob ich vor meinen eigenen Gedanken davonlaufen wollte.

Bis mich mein Körper sozusagen über Nacht runtergeholt hat. Plötzlich bin ich in der Früh mit Knieschmerzen aufgewacht. Jedoch nicht mit Schmerzen, von denen man sagen kann „naja, es tut halt ein bisschen weh, das wird schon wieder“, nein… Schmerzen die einen so richtig erden, weil man sogar Angst davor hat auf die Toilette gehen zu müssen, weil man erstens überhaupt nicht weiß, wie man dort hinkommen soll und Dinge wie niedersetzen und wieder aufstehen so dermaßen schmerzhaft sind, dass man sich jeden Schluck Wasser fünfmal überlegt, um so die eigenen Blase zu überreden die nächsten Tage am besten gar nicht zu arbeiten…

Trotz dieses neuen Zustands meines Knies gab es aber einige Termine die ich nicht absagen konnte (respektive nicht wollte, da es ja „nur“ das Knie war).

So verließ ich also trotzdem meine Wohnung und habe es auch irgendwie geschafft in mein Auto rein und auch wieder rauszukommen und von diversen Parkplätzen weg zu Fuße zu meinen Terminen zu gehen, besser gesagt zu schleichen.

Und während dieses Schleichens merkte ich dann aber plötzlich, wie gut es (abgesehen von den Schmerzen) meinen Gedanke dabei ging. Mein Knie hat mich selbst und meine Gedanken ganz extrem entschleunigt. Plötzlich musste ich vor meinen eigenen Überlegungen und Gedankengängen nämlich nicht mehr weglaufen – weil es ja auch gar nicht gegangen wäre.

So kam es, dass ich auch die Zeit zu Hause nutzte, die ja, von meiner eigenen Geschwindigkeit her zu agieren, auch komplett reduziert und entschleunigt war. Ich wurde von meinem linken Knie (das auf der Herzseite…) sozusagen gezwungen, einfach mal liegen zu bleiben und runterzukommen. Und plötzlich hatte ich Zeit für mich, meine eigenen Bedürfnisse und Überlegungen. Ich habe im Internet recherchiert, zwei ganz tolle Fachbücher entdeckt (mit für mich neue Themen), die ich jetzt während der Feiertage lesen möchte, habe sogar einen Roman gefunden, den ich mir bestellt habe (meinen letzten Roman habe ich vor ca. 10 Jahren gelesen) und mich sogar endlich entschieden selbst einen Coach, den mir zwei sehr liebe Freundinnen (getrennt voneinander) schon ganz lange empfohlen haben und ich trotzdem noch nie einen Termin vereinbart habe (dann müsste ich mich ja mit meinen eigenen Gedanken und Überlegungen am Ende noch wirklich selbstreflektiert auseinandersetzen 🙂 …) anzurufen und mir tatsächlich einen fixen Termin zu vereinbaren.

Im Endeffekt ist es zwar so, dass ich solche Schmerzen, wie sie mein Knie diesmal ausgelöst hat, noch nie hatte (und ehrlicherweise auch nie mehr möchte), trotzdem hat es mein „Wadenbeinköpfchen“, von dem das ganze Unheil nämlich ausging und gesteuert wurde, geschafft, mich wieder einmal ganz fest auf den Boden zu bringen und mir die Zeit zu nehmen, über mich selbst und meine eigenen anstehenden Entscheidungen nachzudenken.

Was so ein kleines Gelenk doch alles schaffen kann. Wenn es sich mit der eigenen Seele zusammentut, um endlich Klarheit zu bekommen und in diesem Zusammenhang die ersten Schritte zu unternehmen (auch, wenn die Schritte zu diesem Moment körperlich richtig weh tun, sind sie genau in diesem Moment nötig)…

Und wieder einmal bewahrheitet sich ein Sprichwort meines Großvaters „Selten ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen ist“.