Glücklicher Leben

Stolpersteine…

Letzten Sonntag war ich zu einer Taufe eingeladen. Ein Ereignis, das immer wieder wunderschön ist, wenn so ein entzückender kleiner Erdenbürger seinen ersten offiziellen Ehrentag im Kreis seiner Familie hat.

Im Zuge der Feierlichkeiten hat der Pfarrer die Paten des kleinen Mannes dann gebeten immer für ihn da zu sein und für ihn auch die Stolpersteine aus dem Leben zu räumen, bzw. während schwieriger Zeiten ganz besonders für ihn da zu sein.

In diesem Zusammenhang habe ich dann begonnen einmal ganz in Ruhe darüber nachzudenken, wann eigentlich, wenn wir das unsagbare Glück haben eine gesunde und sorgenfreie Kindheit erleben zu dürfen, die ersten richtigen Stolpersteine beginnen auf unserem Weg zu liegen und uns das Leben dadurch auch immer etwas schwerer zu machen. Es hat nicht lange gedauert, ist mir meine frühere Volksschullehrerin eingefallen. So ein Besen! Bis heute zieht sich in mir noch immer alles zusammen, wenn ich diese Person auch nur von der Ferne sehe. Das Experiment, was passiert wenn ich sie einmal wieder von der Nähe sehe, habe ich bis dato ganz bewusst und zum Glück auch durchaus erfolgreich noch immer umgehen können.
Zum damaligen Zeitpunkt war ich acht Jahre alt – sie beehrte mich erst am der 3. Klasse Volksschule, blieb mir dann aber „zum Glück“ bis zur 4. Klasse hartnäckig erhalten. Und… sie war meine Klassenlehrerin. Was im Volksschulalltag bedeutet, dass es keinen einzigen, ich betone KEINEN einzigen Tag gibt, an dem einen der Klassenlehrer erspart bleibt. Zumindest war das in den 80er Jahren noch so.

Nach dieser Erkenntnis, wann mein ersten richtiger Stolperstein mich heimgesucht hat (und dann auch gleich noch zwei Jahre erhalten blieb), und der nächsten Erkenntnis, dass es sich hierbei mehr um einen Felsen, als um einen Stein gehnadelt hat, habe ich mir dann weiter überlegt, dass man, zumindest ich, mit acht Jahren schon noch sehr jung war, für solche emotionalen, menschlichen, Herausforderungen. Aber wahrscheinlich heißt es deshalb ja auch am ersten Schultag „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“. So viel „Ernst“ hätte ich aber eigentlich gar nicht gebraucht.

Auf der anderen Seite weiß man dann aber schon auch, dass man mit den eigenen Stolpersteinen, die realistisch betrachtet irgendwann einfach kommen, ob wir das wollen, oder nicht, auch umgehen kann. Und sich nicht so leicht unterkriegen lässt.

Ich habe mir dann überlegt, dass jeder Stolperstein auch ein Teil unseres eigenen Lebens-Mosaiks ist. Erst die Stolpersteine machen es nämlich richtig vollständig. Weil sie uns auch dementsprechend herausfordern und immer stärker machen.

Hätte ich beispielsweise diesen Besen in der Volksschule nicht als Klassenlehrerin gehabt, wäre ich an meinem Lateinlehrer im Gymnasium zerbrochen. Aus dieser Perspektive hat jeder Stolperstein schon auch seinen Sinn. Weil wir dadurch einfach immer stärker werden und zudem auch lernen uns nicht unterkriegen zu lassen.

Wobei es schon von enormer Wichtigkeit ist hier dann immer jemanden zu haben, der einem den Rücken stärkt. In den ersten Lebensjahren ganz besonders die eigenen Eltern und die Paten und später zusätzlich auch noch den eigenen Partner, oder ganz enge Freunde. Gemeinsam kann man nämlich jedem Stein und sogar auch jedem Felsen standhalten. Und nach jedem gewonnen „Kampf“ kommt wieder ein Mosaikstein dazu. Ein großer! Weil wir ja genau an den großen Herausforderungen unseres Lebens am meisten wachsen können und manchmal leider auch müssen, weil wir uns sonst selbst aufgeben würden.