Glücklicher Leben

Sei nicht so unsympathisch…

… sagte gestern meine eigene Mutter zu mir. Und sie hatte in diesem Moment leider auch ganz recht damit.
Wir waren gemeinsam beim Mittagessen und ich hab‘ mir einen Teller hergerichtet von dem meine Mama annahm, dass dieser für sie sei und deshalb Reste (man könnte auch sagen Abfall) darauf gelegt hat – obwohl ich den Teller noch in der Hand hatte. Und selbst ja davon ausging, diesen für mich herzurichten…

Meine Reaktion war dann auch dementsprechend uncharmant, weil ich in diesem Moment überhaupt nicht nachvollziehen konnte, wie man auf die Idee kommen kann, bei jemanden anderen den eigenen Abfall auf den Teller zu legen.

Erst als ich dann das Feedback bekommen habe, dass meine Mama eine komplett andere Erwartungshaltung hatte – nämlich, dass ich als liebevolle Tochter etwas für sie herrichte – wurde mir bewusst, dass wir komplett aneinander vorbeiredeten und auch handelten….

Solche Erlebnisse hat man, wenn man genauer hinschaut, im Leben überhaupt sehr oft. Man ärgert sich über jemanden, ohne zu wissen warum er / sie etwas tut, mit dem man selbst nicht einverstanden ist. Und dann passiert es sehr oft, dass man – weil man sich ja schon ärgert – gar nicht mehr nachfragt, warum der andere das tut. Man beginnt im Normalfall gleich einmal zu schimpfen und in weiterer Folge zu streiten, weil es das Gegenüber ja prinzipiell gar nicht böse gemeint hätte und deshalb natürlich auch mit der Kritik nicht umgehen kann.

Demnach wäre es ja viel logischer und definitiv auch sympathischer, wenn man im ersten Schritt erst einmal fragt warum jemand etwas getan hat. Vielleicht klärt sich dann ja sogar alles sofort auf und man spart sich die ganze Streiterei und das schlechte Gewissen danach.

In der Psychologie spricht man in solchen Zusammenhängen – wenn man unterschiedliche Erwartungshalten, respektive auch Einstellungen hat – sehr gerne von einem sogenannten „Wahrnehmungsfilter“.
Wir sehen oder erleben etwas und nehmen es durch unseren eigenen Filter wahr. Kombiniert mit unseren individuellen Werten und Bedürfnissen. Die aber nur wir kennen. Wenn wir diese also nicht nach außen kommunizieren und sie den anderen Menschen auch mitteilen (und gegebenenfalls auch
 erklären), werden diese nie wissen, was wir eigentlich wollen und warum wir uns über einzelne Dinge so ärgern können.

Bevor Sie das nächste Mal also jemanden „zurechtweisen“, oder schimpfen, weil er/sie anders handelt, als es ihr Wertesystem erwartet hätte, fragen Sie doch erst mal nach warum das so ist.
Das Geheimnis guter Kommunikation beruht nämlich im Endeffekt sehr stark auf dem Abgleich der jeweils individuellen Erwartungshalten, welche die Basis für unseren Wahrnehmungsfilter darstellen.

 Gute und vor allen Dingen auch sympathische Gespräche wünscht Ihnen Ihre

Dr. Sabine Schneider