Glücklicher Leben

Rücksichtnahme und Achtsamkeit

Heute war ich in einem ausgesprochen schönem und berührendem Konzert bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Die Stimmung war, ebenso wie die Musik, wirklich beeindruckend.
Bis auf den kleinen Wermutstropfen, dass in derselben Loge wie ich auch ein Ehepaar saß das an Überheblichkeit kaum zu übertreffen war.

Die beiden Herrschaften, beide definitiv über 50 Jahre alt, fanden es nämlich weder der Mühe wert ihre Handys während des Konzerts wegzulegen, noch diese auf lautlos zu stellen. Ganz im Gegenteil. Regelmäßig kamen irgendwelche Mitteilungen an, welche dann tatsächlich auch noch beantwortet wurden. Und… damit das auch bestimmt alle anderen Besucher der Loge mitbekommen, mit eingeschalteten Tastentönen.

Zu Beginn der Vorstellung habe ich mir intensiv überlegt etwas zu sagen. Habe mich dann aber entschieden keine Grundsatzdiskussion über gute Erziehung und gutes Benehmen zu führen und dadurch die Vorstellung im Endeffekt noch mehr zu stören.
Im nächsten Schritt, untermalt durch eine beeindruckend gespielte Symphonie, habe ich mir überlegt ob es sich vielleicht um wichtige emotionale Belange handeln könnte. Wie beispielsweise, dass jemand im Krankenhaus liegt, oder ähnliches und die beiden deshalb ständig mit dem Handy spielen. Dieses Gedankenspiel  hat sich bei näherem Hinsehen dann aber zum Glück (zumindest für die Person, die für dieses Gedankenszenario hätte im Krankenhaus liegen müssen)  in Luft aufgelöst, da die beiden von ihrer Körpersprache und Gestik her betrachtet einfach nur hochnäsig und affektiert waren, jedoch keinesfalls besorgt um irgendjemanden anderen. Am allerwenigsten um die anderen Konzertbesucher um sie herum.

In der Pause habe ich dann nochmals überlegt die beiden auf ihr Verhalten anzusprechen. Habe dann aber für mich entschieden, dass ich basierend auf einem in der ersten Zeitspanne der Vorstellung gedanklich ausgearbeiteten Psychogramms und eine damit verbundene Persönlichkeitsanalyse der beiden, dabei selbst emotional nur verlieren könnte. Nämlich dahingehend, dass ich mich im Gespräch noch mehr ärgern müsste und es den beiden komplett egal wäre. So ging ich einfach Händewaschen und an die frische Luft.

Und siehe da. In der zweiten Hälfte der Vorstellung kehrte plötzlich viel mehr Ruhe ein. Die beiden haben nicht einmal mehr die Loge verlassen – was sie im ersten Teil des Konzerts auch mehrmals taten um, nach einer kurzen Begrüßung des jeweiligen Telefonats in der Loge, diese dann doch zu verlassen um draußen weiter zu telefonieren.

So wurde es dann also doch noch entspannter.
Ich denke, das verdanke ich dem schon etwas älteren Ehepaar hinter mir, das wahrscheinlich beschlossen hat die beiden noch etwas erziehen. Weil es während ihrer eigenen Kindheit (immerhin waren die beiden Störenfriede ja schon über 50) noch keine Handys gab und ihre Eltern den richtigen Umgang damit deshalb ja auch nicht haben in die Erziehung miteinfießen lassen können.
Wer, außer den beiden etwas älteren netten Logennachbarn, hätte es ihnen also lernen sollen…

Später ging ich dann noch auf einen Café, wo mitten im Kaffeehaus ein Kind lautstark über das Handy seiner Eltern Videoclips schauen durfte um beschäftigt zu sein. Was mich wieder kurz zu der Überlegung brachte den beiden Elternteilen von der enormen Entwicklung der Technik namens Kopfhörer zu berichten.

Ich entschied mich dann aber im Endeffekt auch dagegen, weil ich beschlossen habe mich einfach nicht mehr darüber zu ärgern und zu akzeptieren, dass Rücksichtnahme und Achtsamkeit leider anscheinend Eigenschaften sind die heute immer seltener werden. Was nicht bedeutet, das nun fortan einfach so hinzunehmen. Ganz im Gegenteil! Heute habe ich mich aber für die Variante der Selbstrücksichtnahme entschieden und dafür den Tag zu genießen und mich nicht mehr weiter ärgern zu lassen.

Deshalb schicke ich Ihnen jetzt ganz herzliche Grüße von meinem absolut ruhigen störungsfreien Balkon,

Ihre

Dr. Sabine Schneider