Glücklicher Leben

Oooooohm

Zugegebenermaßen gehöre ich nicht direkt (nein, noch nicht einmal indirekt) zu den klassischen Yoga-Anhängerinnen die tiefenentspannt durch die Welt schwirren und sich in besonders stressigen Situationen entweder im Schneidersitz gedanklich wegbeamen, oder notfalls auch auf den Kopf stellen. Beides begleitet durch den sanften Ton von Klangschalen oder ähnlichen Hintergrundgeräuschen.

Auch, wenn diese „Yogis“ mit Sicherheit eine längere Lebenserwartung haben als ich teilweise doch sehr gestresstes Wesen. Wobei ich prinzipiell schon durchaus entspannt bin, gibt es Situationen in denen mir der Schneidersitz bestimmt auch gut täte – ich denke in diesen Momenten nur leider nie daran.

Aber warum eigentlich nicht? In den letzten paar Tagen war ich am Meer und habe beschlossen bei meinen Strandspaziergängen einmal zu versuchen richtig runter zu kommen. Ohne an meine Arbeit, meine Patienten, oder laufende Projekte zu denken. Und jedes Mal wenn sich mein Unterbewusstsein gegen dieses „Ausblenden“ wehren wollte, habe ich es mit einer Runde „Oooohm“ versucht. Und es hat geklappt! Ich habe mich ganz entspannt direkt ans Meer gestellt, den Wellen zugehört, beobachtet wie sich die Sonne im Meer spiegelt und mir gedanklich „Oooohm“ vorgesagt Daumen und Zeigefinger ganz sanft zusammengeführt und das Bild dabei richtig eingeatmet.

Und… es hat immer wieder funktioniert. Bei jedem Spaziergang. Unglaublich gut sogar. Ich konnte innerhalb kürzester Zeit extrem entspannen und alle „störenden“ Gedanken an den Alltag einfach ausblenden.

Meinen Patienten empfehle ich in meiner Praxis immer die verschiedensten Arten sich zu entspannen um so auch in schwierigen Situationen entschleunigen zu können. Was, wie ich dann in den Folgesitzungen höre, auch immer sehr gut funktioniert. Aber genauso wie es kettenrauchende Lungenfachärzte gibt, gibt es eben auch Psychologen (und -innen) die theoretisch zwar ganz genau wissen wie „Entspannung“ funktioniert aber für sich selbst trotzdem erst einmal einen Weg finden müssen, auf den sie so richtig ansprechen.

Diese Übung, welche eine Kombination aus „runter kommen“ und Anker setzen in einem ist, werde ich jetzt jedenfalls definitiv in mein eigenes Portfolio aufnehmen und auch meinen Patienten empfehlen. Diese Entspannungsübung funktioniert nämlich auch im Alltag sensationell. Vorausgesetzt man sagt sich das „Ooooohm“ nur gedanklich vor 🙂 . So können Sie durch tiefes atmen und das sanfte Berühren von Daumen und Zeigefinger (auf beiden Seiten gleichzeitig) nämlich auch immer Bilder abrufen, die Sie ganz persönlich mit dieser Übung in Verbindung bringen. Wie ich zum Beispiel das Stehen am Meer mit Blick in die Ferne. Und das geht immer und überall.