Glücklicher Leben

Meine Zahnschiene und ich… oder… Wie geht eigentlich loslassen… ?

Das mit dem Loslassen ist so eine Sache. Meistens leider eine etwas unangenehme. Zumindest für mich.
Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die alles immer mit einem durchaus ausgeprägten Maß an Ehrgeiz machen. Ja… sogar die Sache mit dem Loslassen versuche ich dann fast ein bisschen verbissen und ehrgeizig. Untermauert durch einen inneren Dialog der in etwa so aussehen kann:

„Jetzt hör‘ doch endlich mal auf zu denken und lass einfach mal los. Das kann doch echt nicht so schwer sein. Ich muss nur irgendetwas visualisieren und ein- und ausatmen. Einatmen… Mist… da war noch was.. ich hab‘ vergessen, das Mail von vorhin zu beantworten. Ausatmen… Irgendwie klappt das nicht… Wie tun da anderen… Warum kann ich das nicht? Was war da jetzt mit dem Mail… Ich geh‘ lieber wieder Arbeiten. Das mit dem Loslassen wird ohnehin überbewertet. Das passt einfach nicht zu mir…“

Sie sehen… Eine Expertin für’s Loslassen bin ich nicht. Noch nicht!

Ich werde das jetzt nämlich üben. Wenn auch, zugegebenermaßen, nicht ganz freiwillig… Die Sache ist nämlich leider wirklich ernst. Meine Schwäche beim Loslassen verfolgt mich mittlerweile nämlich anscheinend bereits bis tief in die Nacht. Das muss man sich ja erst einmal vorstellen. Mir selbst wäre das ja gar nicht aufgefallen. Weil ich, zum Glück, immer sehr gut schlafen kann. So dachte ich, als Psychologin, bis dato auch völlig stressfrei – wenn das in der Nacht so gut klappt, kann es ja tagsüber eigentlich auch gar nicht so hoffnungslos sein.

Bis mich mein lieber Herr Zahnarzt darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich in der Nacht anscheinend mit den Zähnen knirsche. Und das, wie sollte es anders sein, selbstverständlich auch durchaus ehrgeizig. Ich bekam also eine Zahnschiene. Schauderbar….

Es gibt dann schon so Momente im Leben wo man weiß, dass man langsam aber sicher erwachsen wird. Nämlich, wenn man am Abend plötzlich mindestens fünf Minuten länger braucht als früher. Da macht man dann – ich zumindest – solche Dinge wie: eine Augencreme auftragen und einklopfen, zwei bis drei Turnübungen für den Rücken, den Körper eincremen, auf das linke Knie Tigerbalsam auftragen. Und…, seit neuestem, eine Zahnschiene in den Mund schieben.

Das mit der Zahnschiene hätte ich jetzt ein paar Tage lang auch wirklich probiert. Ehrenwort. Obwohl ich sie nicht mag. Nein, überhaupt gar nicht! mag trifft es besser. Ich empfinde dieses Ding als absolut unbequem und als Strafe meines Zahnarztes meiner Person gegenüber. Obwohl ich meinen Zahnarzt sonst echt gerne mag. Aber eben nur sonst…

Nun hat sich die Sache mit der Schiene aber, sozusagen über Nacht, von ganz alleine auch schon wieder erledigt. Ich habe sie nämlich durchgebissen. Nicht absichtlich… Das hätte ich mich gar nicht getraut… Meine armen Zähne. Aber… mein Unterbewusstsein hat das völlig lösungsorientiert für mich übernommen.

Immerhin habe ich ja auch Zeit meines Lebens gelernt, dass man sich im Leben durchbeißen muss. Und ja… ich habe diesen Familiengrundsatz sichtlich ganz tief in meinem innersten verankert. Vielen Dank, liebe Mama, lieber Papa….

Die Quintessenz dieses zahnärztlichen Feldversuchs an meiner Person ist für mich jetzt jedenfalls einmal definitiv keine neue Zahnschiene mehr anfertigen zu lassen.

Und…. Und das ist das Wichtigste überhaupt… fortan jeden Tag gaaaaaanz brav – aber vielleicht schon auch ein bisschen ehrgeizig…. – versuchen sukzessive immer mehr loszulassen. Und den Ehrgeiz nicht mehr soooo sehr in den Vordergrund zu stellen. Das wird schon klappen. Heute habe ich meinen Tag jedenfalls gleich schon mal mit einer Atemübung begonnen. Das war dann so entspannend, dass ich fast vergessen hätte danach aufzustehen.

Na also…, wenn ich will, klappt das ja anscheinend eh schon ganz gut… 1:0 für mich…., mein liebes „Loslass-Programm“…