Glücklicher Leben

Meine Glaubenssätze….

… sind aller Wahrscheinlichkeit nach meine treuesten Weggefährten. Vom Einschlafen bis zum Aufstehen sind sie immer dabei. Ob ich das will, oder nicht. Bei meinem inneren Kritiker glaube ich sogar, dass er auch während ich schlafe aktiv ist und aufpasst, dass ich alles richtig mache.
Ich habe sozusagen einen 24h-Überwacher in mir. Beim Einschlafen checken wir noch einmal kurz gemeinsam, ob auch wirklich alles erledigt wurde, was ich mir für diesen Tag vorgenommen hatte und dann müssen wir unbedingt noch beleuchten ob für den nächsten Tag eh auch schon alles richtig geplant und vorbereitet ist.

Obwohl ich selbst bei solchen Dingen viel entspannter wäre, ist dieser innere Kritiker ständig dabei. In der Früh vor dem Spiegel sucht (und findet) er Falten, in der Jeans sucht (und findet er auch) ein paar Fettpölsterchen zu viel und bei meiner Arbeit schickt er immer wieder mal Gedanken wie, „Schau‘ lieber noch einmal drüber, du weißt ja, dass du durch deine Hudelei fehleranfällig bist.

Mein Leben wäre ohne diesen Kritiker, oder nennen wir es mir selbst gegenüber durchaus ausgeprägten autoritärem Erwachsenen-Ich, viel entspannter.
Ich weiß auch nicht wo dieser „Mitbewohner“ früher war. Das muss eine Alterserscheinung sein. In meiner Schulzeit und während meinem Studium war ich tiefenentspannt. Ob ich meine Hausaufgaben gemacht habe, eine (oder auch mehrere) Schulstunden geschwänzt habe, oder sogar auch einmal sitzen geblieben bin. All diese Dinge waren mir komplett egal. Und plötzlich bin ich zu einer pflichtbewussten Streberin mutiert. Hilfe! Manche Menschen sprechen immer davon, dass mit dem ersten richtigen Job der Ernst für’s Leben beginnt.

Ich persönlich liebe meinen Job wirklich, aber was den Ernst des Lebens betrifft habe ich den Eindruck, dass Ernst in mir eingezogen ist. In meiner Bauchgegend und ständig mitredet. Sehr gerne, um nicht zu sagen immer – und das stets vollkommen unaufgefordert.

Auf der anderen Seite muss ich (leider) aber schon auch zugeben, dass Ernst (so werde ich meinen inneren Kritiker fortan nennen), die Hauptverantwortung für meinen Erfolg trägt. Und dafür bin ich ihm auch unendlich dankbar. Auch, wenn wir zukünftig ein paar Kompromisse finden müssen. Ernst ist nämlich beispielsweise Frühaufsteher, was ich selbst nie war. Ich konnte früher völlig entspannt bis Mittag schlafen. Ernst schläft maximal bis 08.00h und das auch nur in absoluten Ausnahmesituationen und spätestens ab 07.00h unter Protest. Ich selbst bin ein Abendmensch. Und da wir beide gewinnen wollen, Ernst und ich, bin ich mittlerweile beides. Ein Nachtmensch mit präseniler Bettflucht. Ernst ist auch sehr figurbewusst, deshalb essen wir beide auch durchaus gesund. Was aber angeblich die Lebensdauer verlängert. Trotzdem gewinne hin und wieder dann auch ich und bestelle mir eine große Portion Eis mit Schlagsahne. Ätsch.

Streng betrachtet sind Ernst und ich noch etwas in der Findungsphase, um gemeinsam in mir anzukommen. Vielleicht sollten wir auch einmal eine Paartherapie machen, um uns besser kennen zu lernen. Im Endeffekt passen wir nämlich schon ganz gut zusammen, trotzdem muss Ernst noch etwas lockerer werden, um wirklich dauerhaft bei mir bleiben zu dürfen.

Und genau daran werde ich jetzt arbeiten. Ich werde Ernst lernen, das Pflichtbewusstsein wieder etwas zu reduzieren, weil wir in Wirklichkeit ja beide wissen, dass wir, auch wenn wir manche Dinge wieder lockerer angehen, trotzdem erfolgreich sind. Ich werde Ernst heute einmal einen Brief schreiben, was mich alles an ihm stört und was er sich abgewöhnen muss, dass es auch mir mit ihm gut geht. Das sollten Sie mit Ihrem Ernst, der Ihnen das Leben vor lauter pflichtbewusst sein öfter mal schwer macht, unbedingt auch tun Sprechen  Sie sich aus. Ich bin davon überzeugt, dass jeder „Ernst“ auch lernfähig ist…. Ihrer und meiner auch!