Glücklicher Leben

Mein Sohn übernimmt die Rechnung für das Eis…

Mit diesem Satz hat vor zwei Tagen eine sehr rüstige, schon etwas ältere, Dame neben mir in einem Café eine richtig große Portion Eis (to go) bestellt. Als die Kellnerin diese dann kassieren wollte hat die Dame das Eis genommen, ist aufgestanden  und hat ganz resolut einfach gesagt „Mein Sohn bezahlt“.
Als die Kellnerin dann noch etwas verunsichert fragte, wo denn der Sohn sei und wann der kommen würde, hat sich resolute ältere Dame samt Eis schon auf den Weg gemacht und das Café schnellen Schrittes verlassen.

Ich war am Anfang in etwa gleich überrascht wie die Kellnerin. Musste dann aber wirklich schmunzeln, weil mir neben dem Gedanken „Frechheit siegt“ auch der Text eines österreichischen Songs eingefallen ist in dem es heißt „Der Papa wird’s schon richten. Das zählt zu seinen Pflichten“.
Eine Einstellung, auf die man sich, bis zu einem gewissen Grad, als Kind schon immer verlassen konnte. Ganz egal was wir als Kinder angestellt haben, wenn wir Glück hatten, haben uns unsere Eltern aus allen schwierigen Situationen doch immer wieder herausgeholt. Oder…?

Sind wir es ihnen da nicht schuldig, das jetzt auch für sie zu tun? Auch, wenn es sich natürlich um ganz andere Herausforderungen und Schwierigkeiten handelt als bei uns damals. Beispielsweise beim Schule schwänzen können wir unsere Eltern nicht mehr erwischen. Beim „Mopsen“ einer großen Portion Eis aber anscheinend schon.

Ich war dann noch eine ganze Zeitlang in diesem Café. Der Sohn der Dame kam nicht, die Dame selbst auch nicht mehr. Der Punkt ging also ganz klar an sie. Eine große Portion Eis auf Kosten des Hauses, ob der Tatsache, dass der Sohn (sollte dieser tatsächlich existieren) leider nicht wusste, dass da noch eine Rechnung offen ist.

Auch, wenn ich natürlich niemanden dazu anstiften möchte eine Straftat zu begehen – was der Verzehr einer Portion Eis, ohne diese zu bezahlen, ja im Endeffekt ist – musste ich persönlich über das Verhalten der älteren Dame schon wirklich lachen. Diese Unverfrorenheit, das Pokerface und diese durchaus charmante Frechheit in ihrer Stimme…
So ein bisschen frei nach dem Motto. Ich habe ein Leben lang immer alles für alle anderen gemacht. Jetzt bin ich dran. Ich fordere jetzt auch mal eine richtig große Portion Eis, auf die ich eingeladen werden möchte. Und wenn sich hierzu freiwillig niemand findet, dann mach ich es eben auf diese Art.

Sollten Sie sich jetzt überlegen, dass diese Strategie auch Ihnen gefallen könnte, sollten Sie dennoch Ihre Kinder im Vorfeld darüber informieren – damit das Eis dann auch wirklich bezahlt wird.

Ansonsten finde ich sollten wir alle wieder mehr Übermut und Sinn für’s kindliche Abenteuer in unser Leben lassen. Und zugleich Platz auch lassen, diesen Übermut auch unseren Eltern zuzugestehen. Die beiden waren früher immer für uns da. Jetzt sind auch mal wir dran, für sie da zu sein.

Mein Fazit aus dem Verhalten der älteren Dame war, dass ich davon überzeugt bin, dass ihr noch nie in ihrem ganzen Leben eine Portion Eis so gut geschmeckt hat wie diese. Den verschmitzten Blick, mit dem sie das Café verlassen hat, habe ich noch jetzt vor Augen. Wenn ich ganz ehrlich bin habe ich sie sogar ein bisschen beneidet. Nämlich dafür, sich so unbeschwert und kindlich verhalten zu können und Dinge, ganz ohne schlechtem Gewissen, einfach einzufordern. Auch, wenn das natürlich niemanden anderes schaden darf.
Ein bisschen mehr Frechheit im Leben wird dieses jedoch mit Sicherheit noch lebenswerter machen.
Davon bin ich überzeugt!