Glücklicher Leben

Manchmal vergesse ich fast glücklich zu sein

Je älter ich werde umso öfter passiert es mir so hartnäckig an Dingen dran zu sein, dass ich dabei fast vergesse glücklich zu sein. Ich… wo ich doch schon immer eine unheilbare Optimistin war, mir auf der Uni den Schwerpunkt „Positive Psychologie“ ausgesucht habe und für alle anderen immer sofort weiß was ihnen gut tut und was nicht.

Ich… das kann doch eigentlich gar nicht sein. Oder doch? Irgendwie habe ich manchmal den Eindruck, dass mein selbstauferlegter Leistungsdruck gekoppelt mit meinen Lebensjahren stetig ansteigt. Obwohl ich beim besten Willen nicht sagen kann warum.

Meine Freunde fangen mittlerweile an ihre Arbeit zu reduzieren um wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben. Großartig! Wahrscheinlich haben die aber auch alle einfach mehr Hobbys und weniger Glaubenssätze aus der Kindheit, dass man Leistung bringen muss um Anerkennung zu bekommen. Von nichts kommt ja bekanntermaßen auch nichts. Wobei ich das insofern dementieren möchte, dass dann zumindest schon mal ein Burnout um die Ecke schauen kann. Oder auch ein Magengeschwür. Die Stressgastritis klopft zumindest bei mir schon manchmal an.

Es ist aber gar nicht so, dass ich keine Hobbys hätte. Ganz im Gegenteil. Ich wüsste mir ständig was zu tun. Wenn ich es mir nur selbst erlauben würde. Nehme ich mir beispielsweise Zeit ein Buch zu lesen habe ich nach kürzester Zeit das Verlangen zwischendurch auch mal schnell in ein Fachbuch zu schauen, weil nur rumliegen und lesen ist ja auch fad. Obwohl…. eigentlich nicht… Aber irgendeine innere Stimme in mir will mich ständig davon abhalten mal nichts zu tun. Zumindest nichts was mit Arbeit zu tun hat. Wobei ich meine Arbeit liebe. Aber eben nicht alle Bereiche daraus. So geht es uns aber wahrscheinlich allen.

Vielleicht wäre es der perfekte Lösungsansatz mal genau hier anzufangen. Was sind eigentlich die Arbeiten die keinen so richtigen Spaß machen? Über die man am Abend davor schon nachdenkt, weil sie uns Energie nehmen. Prinzipiell müsste man einige davon ja auch abgeben können. Zumindest wäre es einen Versuch wert. Oder manche Aufträge, von denen man weiß, dass sie einem selbst nicht gut tun, gar nicht mehr annehmen. Das wird zukünftig mein eigener, bis dato größter, Lernprozess. Dinge auch einmal abzulehnen und mehr auf mich selbst zu schauen.

Unser eigenes Hamsterrad kann nämlich auch zum Schwungrad werden. Nämlich dann, wenn wir unsere Energien richtig einsetzen. Das ist wie beim Radfahren. Wenn wir im richtigen Moment fest strampeln können wir dann eine ganze Weile dahingleiten. Ohne jede weitere Anstrengung.

Ausschlaggebend ist hier der Fokus auf unser eigenes Leben. Nur noch Dinge zu machen, die Spaß machen, wird jedoch wahrscheinlich schwierig. Aber auch langweilig. Es ist ja doch immer wieder schön, wenn man die Aufgaben, die man nicht so gerne mag, dann erfolgreich hinter sich gebracht hat. Und wenn es Aufgaben gibt bei denen man sich, sobald sie abgeschlossen sind, schon davor fürchtet, dass sie ganz bald wieder kommen muss man diese loswerden. Nach jedem akuten Abbremsen brauchen wir nämlich viel mehr Kraftaufwand um wieder anzutreten, als wenn wir einfach kontinuierlich weitertreten und dazwischen mal so viel Gas geben um es dann auch zu genießen. Jedoch immer ohne akut bremsen zu müssen.

Und wenn wir jetzt noch lernen beim Gleiten auch mal den Lenker loszulassen und in uns selbst reinspüren, dann klappt’s auch wieder mit dem glücklich sein. Unser Glück braucht nämlich Platz und Zeit um sich zu zeigen. Sonst gerät es einfach in Vergessenheit.