Glücklicher Leben

Manchmal funktioniert es ohne „gut gemeint“ irgendwie besser…

Im letzten Sommer habe ich meinen grünen Daumen entdeckt und zum ersten Mal meinen Balkon mit Pflanzen verschönert. Mit voller Leidenschaft und stets bemüht.
Gut… ich lebe mittlerweile mein halbes Leben in dieser Wohnung – und zwar wirklich auf’s Jahr  genau min halbes Leben.  Trotzdem hatte ich die Motivation, als Hobbygärtnerin aktiv zu werden, erst vor einem Jahr.

Umso enttäuschter war ich als mir meine Hausverwaltung ausgerechnet jetzt, im zweiten Jahr meiner neuen Berufung, mitteilte, dass unser Haus neu gestrichen wird und alle Balkone komplett frei geräumt werden müssen.

Und das, obwohl ich meine Efeukistchen erst mit so viel Liebe und Zuwendung durch den eiskalten Winter gebracht habe.

Die einzige Möglichkeit für meine Pflanzen war nun also eine Dunkelhaft-Phase in unserem Müllraum. Wo ich sie weder sehr oft besucht habe, noch sehr regelmäßig gegossen (Sie wissen ja, aus den Augen ist (fast) auch aus dem Sinn) und sie schon gar kein Tageslicht abbekamen.

Heute war es soweit – ich habe die Efeukistchen wieder zurück auf meinen Balkon geholt. Und meinen Augen nicht getraut.
Nach circa 5 Wochen Dunkelhaft. Gepaart mit einer Wasser- und Tageslichtdiät, von persönlicher Ansprache ganz zu schweigen, in einem dunklen schlecht riechenden Müllraum eingesperrt entdecke ich doch tatsächlich sämtliche neue, ganz frische Austriebe. Lauter kleine zartgrüne neue Zweige.

Da gebe ich mir ein ganzes Jahr wirklich Mühe, lese im Internet nach was ich meinen Pflanzen alles Gutes tun kann bevor ich sie voller schlechtem Gewissen in den dunklen, nach Müll stinkenden, Kellerraum abschiebe.

Und was passiert? Mein Efeu entwickelt sich wie nie zuvor! Unglaublich!
Da muss man sich doch fragen, ob er sich ohne mich möglicherweise einfach wohler fühlt? Oder er auch ganz einfach nur die dunkle Einsamkeit liebt?

Was ich als Psychologin nun aber immerhin mit völliger Sicherheit sicher sagen kann ist, dass mein Efeu zu keinen Depressionen neigt.

Ich werde meine Pflanzen  jetzt jedenfalls erst einmal durch etwas Liebesentzug strafen – oder belohnen? – und überlegen aus dem Saft der Blätter vielleicht einen Durchbruch in der Pharmabranche zu erzielen. Die antidepressive Wirkung aus diesen Pflanzen muss ja definitiv unglaublich sein. Mal schauen….