Glücklicher Leben

Makellos schön…

Bei meinem heutigen Strandspaziergang hatte ich auch wieder ein für mich wirklich faszinierendes Erlebnis. Ich bin schon richtig traurig morgen wieder nach Hause fahren zu müssen, wenn ich daran denke, wie amüsant sich meine Guten-Morgen-Aktivitäten hier gestalten.

Heute bin ich zweimal (beim Hin- und Zurückgehen) an einer Dame vorbeispaziert die mit einer enormen Freude Selfies von sich gemacht hat. Und das mindestens 1 Stunde lang, wenn ich berechne eben zweimal an ihr vorbeigegangen zu sein und sie beim Rückweg schon aus weiter Ferne sehen konnte.

Was mich besonders fasziniert hat war die Freude, die sie dabei mit sich selbst und ihren eigenen Fotos hatte. Die Posen die sie dafür einnahm und die Art und Weise wie sie vor jedem Mal abdrücken wieder ihre Haare gerichtet hat fand ich toll. Auch das Durchhaltevermögen. Ich bin für so etwas zugegebenermaßen viel zu wenig eitel und definitiv auch viel zu ungeduldig. Außerdem bin ich auch nicht sehr fotogen. Der Hauptgrund hierfür ist wahrscheinlich, dass ich seit meiner Geburt eine Knorpelspaltung im vorderen Bereich meiner Nase habe. Was dazu führt, dass ich, wenn ich lache, eine etwas schiefe Nase habe. Mein bester Freund bezeichnet diese dann als Plastilin-Nase. Zudem wird meine Nase bei hoher Konzentration (und die brauche ich bei Selfies, um mich, den Hintergrund und etwaige andere Dinge richtig zu berechnen und auf das Bild zu bekommen) dann auch noch untermauert durch eine Denk- oder besser gesagt Zornesfalte.

Aufgrund all‘ dieser, meine Schönheit nicht zwingend zuträglichen, Tatsachen habe ich schon am zweiten Tag als iPhone-Besitzerin damals festgestellt, dass diese Art von Freizeitbeschäftigung nichts für mich ist.

Aber, selbst wenn ich mir auf Selfies gefallen würde – was macht man dann eigentlich mit diesen ganzen Bildern? Auf denen man ja, wie der Name schon verrät, selbst abgebildet ist. Stellt man die ins Netz, damit in meinem Fall international bekannt wäre, dass ich auf Fotos eine schiefe Nase habe, drucke ich sie aus und mache ein Album von mir, was um alles in der Welt macht man damit?

Davon jetzt aber mal ganz abgesehen. Die Dame, die ich heute beobachten durfte, war von sich und ihrer Schönheit wirklich überzeugt. Was bestimmt auch zur Qualität der Fotos beigetragen hat, da sie auch ausgestrahlt hat, dies zu wissen. Und ich das auch bestätigen kann. Eine wirklich hübsche sehr aparte Frau.

Warum aber wissen es manche Frauen so genau, dass sie makellos sind. Und andere wiederum, die es eigentlich auch wären, wissen und sehen es bei sich selbst nicht.

Warum suchen die einen (zu denen ich selbst zweifellos auch zähle) immer Dinge an sich, die nicht so gut passen und andere suchen und finden diese erst gar nicht? Hat das auch etwas mit Perfektionismus zu tun, oder vielleicht auch einfach nur mit realistischer Bodenständigkeit? Ich fühle mich in meiner Haut ehrlicherweise auch ausgesprochen wohl (ich mag mich so wie ich bin – trotz meiner Schönheitsfehler), sehe auf Fotos von mir – oder auch einfach nur im Spiegel – aber sehr wohl die vorhin schon angesprochene Denkfalte (ich finde das klingt charmanter, oder zumindest intelligenter, als Zornesfalte) und auch meine schiefe Nase. Trotzdem werde ich mir beides nicht wegmachen, oder korrigieren lassen. Weil ich auch finde, dass beides zu mir gehört.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles Liebe mit Ihren kleinen Schönheitsfehlern, gratuliere allen unter Ihnen die makellos sind und verspreche kein Selfie von mir auf den Blog zu stellen.

Ihre

Dr. Sabine Schneider