Glücklicher Leben

Liebe zulassen

Wie geht es denn Ihnen damit „Liebe“ so richtig zuzulassen? So, dass die Welt stehen bleibet und wir mit unserer rosa Brille und den tausenden von Schmetterlingen im Bauch schon fast darauf vergessen ein- und auszuatmen. Was aber auch nicht weiter schlimm wäre, weil wir in diesem Gemütszustand ohnehin unsterblich sind?

Kennen Sie das? Wenn ja, beneide ich Sie ehrlicherweise ein bisschen.
Ich persönlich tue mir nämlich zunehmends schwerer, Liebe einfach zuzulassen. Als Psychologin kann ich auch nicht anders, als Menschen – insbesondere Männer – erst einmal zu screenen und zu analysieren, was ihr Verhalten angeht. Und, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass Männer enorm gute Schauspieler und auch „Lügner“ sein können, bin ich mit meinen 40plus schon so richtig sensibilisiert und dementsprechend unromantisch geworden. Was irgendwie schlimm ist.

Gestern zum Beispiel hat mir eine meiner besten Freundinnen erzählt, dass sie sich zum ersten Mal seit langem wieder so richtig verliebt hat. Mit allem was dazu gehört. In einen Kollegen… Der schon dreimal verheiratet war, jetzt aber, weil die dritte Ehe anscheinend auch schon wieder kurz vor dem aus stand, sofort seine „Noch-Frau“ verlassen hat, weil auch er sich so in meine Freundin verliebt hat. Was man noch dazu sagen muss ist, dass die beiden in zwei verschiedenen Bundesländern leben, was bedeutet, dass sie ca. 200km trennen.
Das ist zwar nicht viel, aber genug um zwei Leben zu führen…

Sie sehen worauf ich hinaus möchte? Das habe ich natürlich nicht angesprochen. Wir sind alle alt genug um selbst zu wissen, was wir tun und glauben wollen und was nicht. Und es geht mich auch gar nichts an – weil ich es vordergründig auch wunderschön finde, dass meine Freundin auf „Wolke sieben“ schwebt. Ich habe mir nur für mich gedacht, „ich könnte das, glaube ich nicht“.

Und genau hier liegt die Krux, warum ich mir so wahnsinnig schwer tue mich zu verlieben. Ich habe irgendwie verlernt es einfach vollkommen unbeschwert zuzulassen und in vollen Zügen zu genießen. Einfach nur so… Ohne über hunderte von Dingen und Konsequenzen nachzudenken. Selbst, wenn die Schmetterlinge nach 14 Tagen wieder davonfliegen. Wenn diese 14 Tage vielleicht die schönsten meines Lebens werden können, wäre es doch wirklich unendlich schade, diese nicht so richtig und mit allem drum und dran zu genießen, oder….?

Als Teenager hatten wir alle ja auch keinerlei Probleme uns blind zu verlieben. Nur, je älter, reifer, erwachsener und (das schlimmste) erfahrener wir werden, umso vorsichtiger werden wir.

Das ist ein bisschen wie mit der heißen Herdplatte… Man greift einfach kein zweites Mal mehr drauf. Was bei der Herdplatte durchaus Sinn macht. Aber… Soll man wirklich ein Leben lang alleine bleiben, nur weil man sich in der Gefühlswelt auch schon mal so richtig die Finger verbrannt hat?
Verpasst man da im Endeffekt nicht die schönsten Seiten des Lebens? Man kann ja auch nicht kalt kochen… Trotzdem ernähren wir uns nicht mehr nur von Schinkenbroten… Manchmal muss man sich einfach trauen, wieder mutiger zu werden.

Als „Extrem-Rationalistin“ werde ich zwar wahrscheinlich nie blind vor Liebe sein können, aber ein bisschen eine Sehschwäche werde ich beim nächsten Mann der mir gefällt zulassen, um vor lauter analysieren und werten von Warnsignale nicht das Glück meines Lebens zu verpassen.