Glücklicher Leben

Kränkungen

Gerade jetzt um die Weihnachtszeit passieren in vielen Familien Kränkungen. Man ist mit Aussagen und emotionalen Verletzungen konfrontiert mit denen man möglicherweise im ersten Moment gar nicht umgehen kann, oder, wenn man diese ohnehin schon gewohnt ist, mit einer spontanen „Gegen-Kränkung“ reagiert.

Ich habe oft den Eindruck, bzw. in meinem Fall sogar die jahrelange Erfahrung, dass von einigen Personen rund um Weihnachten absichtlich Streiterein provoziert werden. Weil sich diese Personen irgendwie abreagieren müssen und dann verbal und auch emotional um sich schlagen wie früher nur Bamm-Bamm Gröllheimer im Fernsehen (der junge Mann aus den Flinstones, mit seiner Keule).

Muss man sich auf diese Streitereien aber tatsächlich jedes Jahr wieder einlassen? Hat man so ausgeprägte innerfamiliäre Verpflichtungen, sich ständig wieder verletzen zu lassen und auch selbst zu verletzen und Dinge zu sagen, die so ganz und gar nicht zur eigenen Perösnlichkeit passen?

Mir selbst gegegenüber muss ich gestehen, dass ich immer öfter ein Verhalten – aus reinem Selbstschutz heraus – an mir wahrnehme, das so ganz und gar nicht zu meiner Persönlichkeit passt und mir auch alles andere als gut tut. Und warum? Um Zeit mit Menschen zu verbringen die man eigentlich wirklich liebt, aber die Umstände sich, zumindest temporär, so entwickelt haben, dass man diese Liebe einfach nicht erzwingen kann. Weil sie in dieser Form, wie man sie gerne hätte, nicht existent ist und man sich stattdessen nur verletzt und sich im Endeffekt gegenseitig nicht gut tut.

In Wirklichkeit muss man in so einer Situation dann für sich selbst die Stärke haben und beweisen Grenzen zu ziehen und sich zurückzunehmen. Einmal nein sagen und nicht jedes Jahr wieder brav eine Pflicht erfüllen, die nun mal eben nicht mehr zu einem passt. Auch nicht an Weihnachten.
Damit tut man am Ende nämlich niemanden einen Gefallen. Sich selbst am allerwenigsten.

Und genau jetzt, kurz vor Heilig Abend, ist aus meiner Sicht ein guter Moment sich zu überlegen wie man heuer Weihnachten verbringen will. Und, ob man einzelne Personen nicht sogar weniger verletzt wenn man einfach einmal „nein“ sagt und aus dem ewigen „Same procedure as every year-Getue“ aussteigt.
Verstehen Sie mich jetzt aber bitte nicht falsch! Ein paar unangenehme Familien-Verpfichtungen gehören schon jedes Jahr dazu. Diese können durch ein paar Gläser Wein auch ganz prima relativiert werden. Nicht jedoch diese, die emotional schmerzhaft sind und beiden Seiten nicht gut tun. Was diese Begegnungen angeht, sollte jeder von uns noch vor dem 24. Dezember nachdenken, wie weit die Verletzungen heuer gehen dürfen. Und wo Pflichtbewusstsein aufhört und Selbstliebe anfängt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne und wohl überlegte Vorweihnachtszeit,

Ihre

Dr. Sabine Schneider