Glücklicher Leben

Kann der Glaube Berge versetzen?

Gestern in der U-Bahn ist mir eine junge Dame aufgefallen, die vor einem riesengroßen Sackerl mit Nahrungergänzungsmitteln gesessen hat und ganz verträumt auf die Rechnung Ihres Großeinkaufes sah. Dabei hat man ihr richtig angesehen, dass ihr die Investition in so viele „Medikamente“ finanziell nicht leicht fiel, sie aber eine sichtlich hohe Erwartungshaltung in diese setzte.

An dieser Stelle muss ich noch erwähnen, dass es sich um eine sehr hübsche junge Dame gehandelt hat, die aber „leider“, zumindest in ihrer Selbstwahrnehmung, nicht ganz den Idealen unserer Zeit entsprach. Damit meine ich, dass sie wahrscheinlich Konfektionsgröße 42 haben wird und nicht, wie wir immer eingetrichtert bekommen Größe 38 (maximal…).

Aus irgendeinem Grund hat sich dieses junge Mädchen, das eine tolle Ausstrahlung hatte und wirklich hübsch war, einreden lassen, dass sie zu dick sei.
Nun ist ihr Plan, wie es den Anschein hatte, dies zu ändern. Möglichst schnell, möglichst unkompliziert. Mit Medikamenten… Mit irgendwelchen fahnenscheinigen Produkten die den Appetit zügeln, die Haut straffen, einen jünger aussehen lassen und man zudem trotzdem etwas Essen darf (sogar viel essen darf), weil die Tabletten das Fett dann ja umwandeln. Ja… aber bitte in was wandeln sie das Fett um? In kleine Heinzelmännchen die es, während man schläft, wieder abtrainieren? Das ist doch wirklich Humbug. Trotzdem glauben viele von uns daran und fördern dadurch einen der lukrativsten Geschäftszweig unserer Zeit – die Pharmabranche gepaart mit der Ernährungsindustrie.

Natürlich weiß jeder von uns, dass diese Varinate des Abnehmens nicht funktionieren kann. Auch die junge Dame von gestern wüsste das ganz bestimmt, wenn sie realistisch darüber nachdenken würde. Genau das will sie in diesem Moment aber nicht.
Aus dem ganz einfachen Grund, dass sie sich, wie wir alle, gerne von der Werbung und den darin enthaltenen Versprechen blenden lässt.
Sonst würde ja auch niemand auf teure Antifalten-Produkte & Co. hoffen. Und ich vermute, oder hoffe auch einfach nur, dass ich nicht die einzige von uns bin die täglich hochmotiviert eine Augencreme aufträgt…

Empirische Versuche beweisen übrigens ganz eindeutig die positive Wirkung von Placebos. In den verschiedensten Lebenslagen. Die Probanden haben ganz klar eine enorm positive Wirkung auf Placebos gezeigt. Selbst, wenn sie wussten, dass sie keine echten Medikamente bekommen, haben sie positiv darauf reagiert.
Das liegt ganz einfach daran, dass unsere innere Einstellung die Wirkung unseres Verhaltens eindeutig und extrem maßgeblich beeinflusst. Im positiven wie im negativen.

Deshalb wird die junge Dame von gestern in gewisser Form auch auf die Tabletten reagieren und dadurch kleine Erfolge erzielen. In Wirklichkeit könnte sie sich diese Mittelchen aber definitiv sparen und einfach nur Ihre Ernährung ein bisschen umstellen.
Natürlich kann der Glaube an etwas schon auch Berge versetzen, im Zusammenhang mit dem Abnehmen, wo uns von der Werbung versprochen wird, dass wir sogar ein Croissant essen dürfen und nicht zunehmen, wenn wir zeitgleich Tabletten schlucken die das Fett umwandeln (?), werden es befürchte ich aber nur ganz kleine Hügelchen sein. Den Rest vom Glück müssen wir dann schon alle selbst in die Hand nehmen…