Glücklicher Leben

Heiraten ist nichts für Feiglinge

So hieß ein deutscher Spielfilm im gestrigen Hauptabendprogramm.
Leider hatte ich bis dato noch nicht wirklich Zeit ihn anzusehen.

Der Titel hat mir aber sehr gut gefallen, auch wenn er meiner Meinung nach nicht ganz stimmt. Aus meiner Sicht müsste er nämlich „Scheidung ist nichts für Feiglinge“ heißen.

Mal ehrlich, bei der Hochzeit ist doch noch alles in Ordnung. Man schwebt auf einer rosa Wolke, ist fast 24-Stunden täglich mit der gesamten Organisation beschäftigt und schwimmt vor lauter Endorphin-Ausschüttung und Romantik rund um die Uhr ganz hoch oben auf einer Emotionswelle.

Schwierig wird es erst, wenn man von dieser rosa Wolke wieder abstürzt, oder noch schlimmer, von jemandem anderen einfach runter geschubst wird.

Dann erst weiß man, wen man da eigentlich wirklich geheiratet hat. Das musste ich selbst schon einmal feststellen und das erlebe ich auch in meiner Praxis immer wieder. Den wahren Charakter des anderen erkennt man immer erst bei der Scheidung.

Was nun aber natürlich nicht heißt, dass niemand mehr heiraten sollte. Ganz im Gegenteil! Man sollte nur versuchen von Beginn an ehrlich miteinander umzugehen und sich auch nicht immer nur von der allerbesten Seite zu zeigen.

Aus psychologischer Sicht ist nämlich beispielsweise auch einmal ein richtiger Krach höchst wirksam und bringt beide Partner auf emotionaler Ebene ein großes Stück weiter. Und das schönste an einem richtigen Karch ist dann die Versöhnung – die auch für jede Beiziehung enorm wichtig ist.

Wenn man sich aber dann vielleicht trotzdem irgendwann auseinandergelebt und nichts mehr zu sagen hat muss man sich selbst, und auch dem anderen, zuliebe lernen das zuzulassen und zu akzeptieren. Ein nebeneinander her leben, ohne Gefühle, ohne Romantik und ganz ohne richtig emotionalen Krach mit anschließender romantischer Versöhnung geht auf Dauer nicht gut. Wenn sich der Alltag nur noch um alltägliche sinnlose Streitereien dreht und man sich immer öfter überlegt: „Zu zweit hat man nur Probleme, die man alleine nicht hätte“ wird es höchste Zeit etwas zu ändern.

Auch, wenn man am Anfang nie weiß, wie es weitergehen soll. Wer zieht aus und sucht sich eine neue Wohnung, wer darf was mitnehmen, wie werden finanzielle Themen geregelt und für alle mit Kindern ist die wichtigste Frage natürlich, wie deren Betreuung liebevoll geregelt werden kann.

Trotzdem sind das alles keine Gründe in einer Beziehung, oder Ehe zu bleiben, in der man nicht mehr glücklich ist.

Was am Anfang einer möglichen Trennung am meisten hilft ist dann das Visualisieren neuer Pläne und Vorhaben. Je genauer Sie wissen, was Sie sich jetzt wünschen, was durch diesen Neuanfang für Sie jetzt alles möglich wird, umso mehr werden Sie beginnen diesen Schritt zu akzeptieren und sich auch schon sehr bald auf einen Neuanfang zu freuen.

Sie müssen sich nur trauen. Machen Sie eine Collage aus Ihren Träumen und Vorhaben und konkretisieren Sie diese, wann Sie was erreicht haben wollen.

Planen Sie für die nächsten Samstage beispielsweise auch fix ein in Ihrem Lieblingscafé  den Immobilienteil der Tageszeitung zu lesen – natürlich können Sie auch unter der Woche auf sämtlichen Portalen recherchieren. Ein guter Café mit der Zeitung in der Hand hat aber trotzdem einen ganz anderen Charme wie ich persönlich finde. Und Sie haben dadurch auch jeden Samstagvormittag etwas vor. Sie haben Zeit für sich und nehmen sich diese auch.

Bei meiner eigenen Trennung und Scheidung war mir persönlich meine Wochenendplanung als Neo-Single damals besonders wichtig. Unter der Woche ist man durch den Job abgelenkt. An den ersten Wochenenden alleine geht’s dann aber ans Eingemachte. Dann wird es Zeit sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Und dafür braucht man eine gute Strategie, um nicht unter zu gehen.

Nach den ersten paar Wochenenden, an denen man anstatt unterzugehen gelernt hat wieder zu strampeln geht es dann auch wieder aufwärts. Versprochen! Da muss aber am Anfang einer Trennung  jeder erst einmal durch. Deshalb müsste der Titel aus meiner Sicht eben auch „Scheidung ist nichts für Feiglinge“ heißen.

In diesem Sinne – den Mutigen gehört die Welt – genießen Sie Ihr Leben, schauen Sie immer nach vorne und stehen zu Ihren persönlichen Entscheidungen. Ganz egal ob Sie heiraten, oder sich trennen wollen. Beides beeinflusst jedenfalls Ihr ganz eigenes Leben. So, oder so.

Haben Sie also den Mut Ihr ganz eigenes Leben fortan so zu führen, dass es SIE glücklich macht.