Glücklicher Leben

Haben Sie zu hohe Erwartungen an sich selbst?

Gehören Sie auch zu den Menschen, die bei der Verteilung von Perfektionismus gleich zweimal „hier“ gerufen haben?
Ich persönlich bin mir oft nicht ganz sicher, ob ich nicht sogar dreimal „hier“ gerufen habe und das auch noch so richtig laut, damit mich ja alle hören.

Leider macht einem diese Eigenschaft das Leben aber nicht immer ganz leicht. Eher im Gegenteil! Wenn ich mir beispielsweise vornehme am nächsten Tag in der Früh 30 Minuten laufen zu gehen, gebe ich mich meistens erst nach 45 Minuten zufrieden. Wenn ich mir vornehme 20 Seiten intensiv zu lernen höre ich frühestens nach 30 Seiten auf. Habe ich um 08.00h einen Termin bin ich spätestens um 07.45h da…. Diese Liste könnte ich jetzt noch unendlich weiterführen.

Mache ich aber nicht! Weil ich mir ganz fest vorgenommen habe die Erwartungen an mich selbst nun endlich etwas zu reduzieren. Und zu lernen loszulassen. Wenn ich mir fortan also vornehme nur 30 Minuten laufen zu gehen, dann höre ich nach einer halben Stunde auch tatsächlich auf und bin einfach stolz auf mich, prinzipiell noch die Energie und Kondition zu haben weiterlaufen zu können.

Wenn ich mir vornehme zu lernen, setze ich mir ab jetzt flexible Wochenziele und bin nicht strenger zu mir selbst als jede katholische Schulschwester in einem Mädchenpensionat.

Ich weiß ehrlicherweise gar nicht mehr wann dieser enorme und zugleich wirklich mühsame Ehrgeiz immer perfekt sein zu müssen in mein Leben eingezogen ist. Früher war ich tiefenentspannt. Da hatte ich so geringe Erwartungen an mich selbst, dass es mich nicht einmal erschütterte ein und dieselbe Klasse im Gymnasium beinahe zweimal wiederholen zu müssen. Eine fünf auf eine Schularbeit ließ mich früher gleich entspannt, wie die Botschaft wieder einmal beim Direktor vorsprechen zu müssen.

Was dann geschah kann ich nicht mehr sagen. Ob meine Eltern einen Wunsch an eine Fee frei hatten und sich wünschten, dass ihr Kind endlich vernünftig und pflichtbewusst wird, oder was auch immer.
Der Ausprägung meines Pflichtbewusstseins nach hatten meine Eltern glaube ich sogar drei Wünsche frei und haben sich einfach dreimal dasselbe gewünscht, damit es auch wirklich klappt.

Meinen Grundehrgeiz möchte ich auch nicht mehr missen. Ein gewisses Maß an Pflichtbewusstsein ist schon absolut okay und macht einem das Leben sogar leichter, als wenn einem tatsächlich alles egal ist. Aber… es muss eben auch Grenzen geben, ab wann der Perfektionismus dann zu richtigem Stress wird. Und diese Grenzen werde ich jetzt für mich selbst setzen.
Und zwar im positiven Sinn.

Ich werde mir jetzt lernen wieder etwas lockerer zu werden und Dinge, sowie Erwartungshaltungen, auch loszulassen.
Sie sollten das auch einmal versuchen.
Meine ersten Erfahrungen der letzten paar Tage waren schon wirklich entspannend. Und das lustigste daran ist, dass ich trotzdem gleich viel „weiterbekomme“ – nur auf eine viel charmantere und definitiv weniger verbissene Art.
Eine zu hohe Erwartungshaltung an sich selbst – und auch an andere – macht langfristig nämlich nicht nur verbissen und unentspannt, wir verlernen dadurch auch Dinge einfach mal nur laufen zu lassen. Obwohl sie doch so oft von ganz selbst in die richtige Richtung laufen würden. Das klappt aber eben nur, wenn wir sie auch wirklich laufen lassen…