Genuss

Haben auch Sie irgendwann einmal verlernt so richtig zu genießen?

Ich war 12. Und in der Pubertät. Es war furchtbar. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein unbeschwertes Leben, war für mein Alter schon relativ groß gewachsen und hatte wunderschönes blondes Haar mit einer echten Naturwelle.

Dann aber nahm das Übel plötzlich seinen Lauf und ich bekam Migräne. Als ob die Pubertät alleine nicht schon schlimm genug gewesen wäre… So kam es, dass ich eine relativ starke Pille verschrieben bekommen habe, welche zwar den unglaublich tollen Effekt hatte, tatsächlich nie mehr auch nur einen einzigen Migräneanfall bekommen zu haben. Jedoch mit den weniger berauschenden Nebenerscheinungen tatsächlich sicher zwei Drittel meiner Haare verloren zu haben – gemeinsam mit meiner Naturwelle.

Wo die beiden Bestandteile meines „Seins“ gemeinsam hin sind frage ich mich bis heute. Hoffe aber sehr, dass sie gemeinsam mit meinen Wechseljahren ganz einfach wieder auftauchen werden (ich bin einfach ein echt optimistisch denkender Mensch).

Das war aber leider noch nicht alles. Das eine ging verloren, dafür kam etwas anderes  dazu. Nämlich 15kg. In etwa gleich schnell wie sich meine Haarpracht verabschiedet hat, hat mein Hüftgold dazu gewonnen. Jährlich immer noch etwas mehr.

Dann war einfach alles nur noch furchtbar. Als Tochter von zwei durchaus sportlichen Menschen, die auch noch essen konnten was sie wollten – und das auch täglich taten – saß ich nun zwischen den beiden als „kleines“ pubertierendes Pummelchen.

Mein Vater fand es damals auch noch enorm lustig mich „La Bomba“ zu nennen und ein Mitschüler (der mir zu diesem Zeitpunkt auch noch wirklich gut gefallen hätte) verpasste mir den Spitznamen „Ludmilla“.

Was soll ich Ihnen jetzt noch zum Thema „Genuss“ sagen? Ich hatte es damals einfach verlernt.

Und zwar für sehr, sehr lange Zeit. Mit sämtlichen Höhen und Tiefen meines Gewichts. Unendlich vielen Diätversuchen, Ernährungsumstellungen und allem was sonst noch so dazu gehört hat. Bis zu dem Zeitpunkt als mich mein Mann – dazwischen hatte ich auch einmal die grandiose Idee zu heiraten – mit einer schlankeren Frau betrogen hat.

Damals habe ich mich entschieden mich von zwei Dingen in meinem Leben dauerhaft zu trennen. Von meinem Mann und von einem sinnlosen Leben voller Diäten und ohne Genuss.

Und ich habe mich neu verliebt.

In Monsieur Michael Montignac. Der von meiner Liebe jedoch nie persönlich erfahren hat. Leider! Ich habe mich aber auch nicht direkt in ihn als Mann verliebt, sondern in seine Art und Weise sich richtig zu ernähren. Und siehe da… ich habe nicht nur nachhaltig knapp 30kg abgenommen (nach 13 Jahren finde ich kann man schon das Wort „nachhaltig“ verwenden), sondern habe sukzessive auch wieder gelernt zu genießen. Das geht nämlich. Genießen kann man wieder lernen und genau das werden wir jetzt gemeinsam machen. Und zwar nicht nur im Zusammenhang mit gutem Essen – sondern im Zusammenhang mit Ihrem ganzen Leben. Wir leben nämlich alle nur einmal. Und es liegt an uns, was wir daraus machen.

Wie sieht denn Ihre persönliche Lebensgeschichte aus? Können Sie sich noch erinnern, ob Sie vielleicht auch irgendwann einmal verlernt haben so richtig unbeschwert zu genießen?

Wenn Sie heute beispielsweise eine Speisekarte in Ihren Händen halten. Wie suchen Sie sich Ihr Essen aus? Basierend auf Ihrem absolut leidenschaftlichen Genusssinn? Oder doch eher basierend auf einem „Grund-schlechtem-Gewissen“, das sich schon ganz tief in Ihrem Kopf verankert hat?

Ich verrate Ihnen an dieser Stelle schon mal etwas… Das schlechte Gewissen lässt sie noch viel mehr zunehmen, als wenn Sie einfach mal voller Freude etwas essen und sich dabei denken „Das habe ich mir heute wirklich verdient“. Das machen Sie ja nicht jeden Tag. Aber ein Leben voller Verzicht macht Sie definitiv nicht glücklich(er). Deshalb sollten Sie sich immer wieder auch einmal richtig verwöhnen!

Viele von uns – mich selbst eingeschlossen – führen täglich Ihren eigenen, oftmals selbstaufopfernden, inneren Dialog. Angeführt von unserem eigenen strengen Eltern-Ich das uns regelrecht anschafft wie wir zu leben haben. Da passieren dann Dinge in unserem Kopf rund um Aussagen wie „Nein, du nimmst jetzt nicht schon wieder ein Stück Schokolade, so wirst du nie abnehmen“, oder „Jetzt steh endlich auf und geh eine Runde Laufen. Du kannst nicht schon wieder nur im Bett liegen“.

Kommen Ihnen diese Sätze auch ein bisschen bekannt vor?

Richtig blöd wird es, wenn sich in unseren inneren Dialog dann auch noch unser eigenes rebellisches Kinder-Ich einmischt mit Aussagen wie „Das werden wir ja sehen – dann esse ich eben statt einem Stück Schokolade gleich die ganze Tafel, ätsch! Und du kannst überhaupt nichts dagegen machen, gar nichts“,

oder

„Ich muss sicher nicht laufen gehen. Ich bleib solange im Bett liegen wie ich will. Und heute will ich gaaaaanz lange“.

Sie werden schon vermuten, dass wir uns mit diesen Dialogen selbst keinen Gefallen tun. Ganz im Gegenteil. So wichtig unser inneres Kind sonst für uns ist. Das rebellische Kinder-Ich hält uns vom Genießen leider nur noch mehr ab, als wir es selber schon tun.

Wenn wir dann nämlich wirklich die ganze Schokolade essen würden, täten wir dies aus reinem Protest uns selbst gegenüber und nicht aus Lebensfreude und vollem Genuss. Dazu bräuchten wir auch gar nicht die ganze Tafel. Und wenn wir uns schmollend gar nicht bewegen, werden wir auch kein bisschen glücklicher. Unser Bewegungsapparat heißt nämlich nicht umsonst so – das erste Hauptwort darin hat einen wesentlichen Anteil an diesem Wortspiel….