365 glückliche Tage

Gelassen & Unperfekt

Warum eigentlich stehen sich diese beiden Eigenschaften in unserer Wahrnehmung gegenseitig im Weg – oder hängen für manche von uns (für all‘ die, die ihr Leben selbst sehr strukturiert und perfekt führen) sogar ganz eng zusammen?

Bin ich, wenn ich gelassen bin, automatisch auch unperfekt? Nein, ich finde nicht!

Wie sähe unser Leben denn aus, wenn wir ständig perfekt sein müssten? Wäre dann überhaupt noch Platz für Gelassenheit?

Wobei man hierfür beide Eigenschaften wahrscheinlich näher beleuchten müsste, da sie für jeden von uns etwas anderes bedeuten.
Die persönliche Geschichte, was jeder von uns unter „perfekt“ versteht, beginnt schon in unserer Kindheit. Meine Eltern fanden es schon perfekt, wenn ich eine halbe Stunde lang mal nicht unterhalten werden wollte, sondern mich mit mir selbst beschäftigt habe (ohne dabei irgendeinen Blödsinn zu machen). Und später fanden sie ein „Genügend“ in Mathe und Latein mehr als perfekt vor lauter Freude, dass es diesmal eben kein „Nicht genügend“ war.

Es liegt also wahrscheinlich auch daran, wie sehr wir unsere Eltern als Kinder verwöhnen. Meine Cousinen waren beispielsweise schon unperfekt, wenn sie sich beim Spielen bekleckert haben und nicht mehr wie aus dem Ei gepellt ausgesehen haben, oder im Zeugnis ein „Gut“ war…
Diesen Fehler habe ich bei meinen Eltern einfach nicht gemacht – ich habe sie schon als Kind unbewusst dazu erwogen mich auch unperfekt zu akzeptieren, ja sogar zu lieben. Was gibt es denn schöneres!

Und deshalb stehe ich jetzt auch als Erwachsene dazu, einfach nicht ganz perfekt zu sein. Ich akzeptiere vollkommen gelassen, dass ich nie eine perfekte Hausfrau sein werde, nie so aus dem Ei gepellt sein werde wie so manch anderer, nie Röcke mit Schlitzen werde tragen können (weil ich die Schlitze ob meiner Schrittlänge- und Geschwindigkeit spätestens nach den ersten fünf Minuten aufgerissen habe) und auch sonst einfach meine Schwächen habe. Und das ist gut so! Sonst würde ich nämlich auch meine Gelassenheit verlieren.

Es ist aus psychologischer Sicht nämlich unendlich wichtig, auch unperfekt sein zu dürfen und Spaß daran zu haben. Dann haben wir nämlich Spaß an und mit uns selbst. Dann können wir über unsere kleinen und auch größeren Fehler lachen. Was auch unendlich wichtig ist, weil im Laufe des Lebens jedem von uns einfach Fehler passieren. Es ist nur die Frage, wie wir damit umgehen. Und je gelassener wir das machen, umso lösungsorientierter sind wir.

Genießen Sie also Ihr Leben, ihre kleinen (und größeren) „Unperfektionen“ und bleiben Sie gelassen. Es passiert nämlich gar nichts, wenn man nicht ganz perfekt ist. Ganz im Gegenteil! Es macht uns sogar richtig liebenswert!