Glücklicher Leben

Entspannt und unbeschwert

Neulich hat mich meine beste Freundin gefragt, wann ich denn das letzte Mal so richtig entspannt und unbeschwert war. Ihr selbst wurde nämlich vor kurzen bewusst, dass beide „Gemüts-Zustände“ auf sie schon lange nicht mehr zutreffen. Nach kurzem Nachdenken wurde mir selbst dann leider auch sehr schnell bewusst, dass es mir genauso geht. Zumindest hinsichtlich des Zustandes der „Unbeschwertheit“. Daran kann ich mich nicht einmal mehr erinnern.

Das mit der Entspannung klappt nach wie vor ganz gut. Zwar nicht täglich und auch nicht in allen Situationen (ganz egal wie fest ich mir vornehme beim nächsten Mal entspannter mit immer wiederkehrenden Sachverhalten umzugehen). Trotzdem kann ich sagen, mich regelmäßig zu entspannen und auch wirklich darauf zu achten.

Aber unbeschwert? Selbst in den Phasen der wirklichen Entspannung ertappe ich mich dabei über Dinge nachzudenken. Die schleichen sich einfach so in meinen Kopf. Sogar, wenn ich bei einer Massage ganz gemütlich einschlafe, passiert es mir manchmal, dass ich durch Gedanken an den Job, oder irgendwelche Dinge die ich noch erledigen muss, wieder aufwache.

Was aber ist hier in den letzten Jahren passiert? Früher, während meines Studiums, konnte ich zum Beispiel total entspannt und unbeschwert bis Mittag schlafen. Ohne jedes schlechte Gewissen. Wenn ich am Wochenende heute einmal erst um 08.30h aufstehe, bekomme ich schon einen emotionalen Stress, die für mich schönste Zeit des Tages verpasst zu haben. Irgendwann habe ich es mir nämlich angewöhnt, am Wochenende immer an beiden Tagen ganz gemütlich frühstücken zu gehen, Zeitungen zu lesen und dieses Ritual dann abschließend im Zuge eines langen Spazierganges ausklingen zu lassen. Wenn mir früher jemand erzählt hätte, dass er ob dieses Rituals dann einen Freizeitstress bekommt, wenn er / sie mal bis 08.30h schläft hätte ich mit dem Kopf geschüttelt und mir gedacht, dass diese Person ganz dringend eine Therapie machen sollte.

Und das schlimmste an der Geschichte ist, dass ich heute selbst Menschen in Therapien begleiten darf und trotzdem oft so kompliziert bin, wenn es um mich persönlich geht. Vielleicht hat mein Vater mit seiner Meinung, dass alle Psychologen selbst nicht ganz dicht sind, doch recht? Ich hoffe nicht!

Was aber leider sicher zutrifft ist, dass man im Laufe der Zeit vor lauter Pflichtbewusstsein verlernt richtig loszulassen und das Leben unbeschwert zu genießen. Aber genau diese Unbeschwertheit hält uns jung und bewahrt uns die Zufriedenheit in unserem Leben. Deshalb sind wir es uns selbst ja eigentlich schuldig wieder darauf zu achten auch regelmäßig unbeschwert zu sein. Finden Sie nicht auch?

Ich persönlich nehme es mir jetzt auf jeden Fall einmal ganz fest vor, wieder mehr loszulassen. Ich merke nämlich auch, dass ich, basierend auf dem Perfektionismus den ich mir selbst gegenüber entwickelt habe, oftmals auch anderen Menschen gegenüber ungeduldiger werde. Ein Beispiel: Ich versuche meine Mails immer absolut zeitnah zu beantworten. Wenn das nun jemand mit meinen Mails nicht macht – ich also einige Tage auf eine Antwort warten muss – merke ich schon sehr bald wie es in mir zu arbeiten beginnt und der Gedanke „Was kann so schwer daran sein ein Mail zu beantworten“ immer öfter auftaucht.

Was aber, wenn der / die andere, während ich so ungeduldig auf die Antwort auf mein Mail warte, einfach ganz unbeschwert irgendwo den Tag genießt und eben ein bisschen länger braucht, um mir ein Feedback zu schicken. Darf ich dann wirklich beleidigt sein, oder stört mich viel mehr, dass jemand anderes unbeschwert sein darf und ich mir diese Erlaubnis selbst nicht gebe?

Ich befürchte ja ganz ehrlich, dass die These Nummer zwei nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Da hilft also nur eines – ich muss selbst auch wieder lernen unbeschwerter zu sein. Ich für meinen Teil werde das jetzt jedenfalls mal versuchen. Was meinen Sie? Wollen Sie’s nicht auch mal ausprobieren? Früher konnten wir das ja alle auch ganz gut, oder?