Glücklicher Leben

Die Sache mit dem Weihnachtsbaum…

Weihnachten in meiner Familie war schon immer so, dass man Lust hätte am 1. Dezember anstatt eines Adventskalenders lieber einen Abrisskalender zu kaufen umso die Tage zählen zu können wann man es für dieses Jahr wieder geschafft hat.

Mein größter (geheimer)  Wunsch wäre ja endlich ein Adventskalender aus der Apotheke. Alles wurde schon erfunden – sogar mit erotischen Spielsachen sind diese Kalender bereits erhältlich. Auf die Idee einen mit Psychopharmaka zu verkaufen ist bis dato aber leider noch niemand gekommen.
Sollte diesen Beitrag also jemand einflussreicher aus der Pharmabranche lesen, sehen Sie diesen Input bitte als Gratisberatung für Ihre Produktentwicklung. Ich, als Psychologin, verspreche Ihnen, dass sich diese Art von Adventskalender verkaufen ließe. Sehr gut sogar. Und zudem hätten Sie mit mir sofort eine treue Stammkundin. Versprochen!

Aber jetzt zum Weihnachtsbaum. Ein fixer, alle Jahre wiederkehrender, Diskussionspunkt zwischen meinen Eltern. Eine Seite der beiden, die weibliche – also meine Frau Mama – wünscht sich einen Baum. Ganz im Gegensatz zur anderen Seite – mein Herr Papa ist ein absoluter Gegner von Weihnachten und allem was dazu gehört.
Und weil er Weihnachten so gar nicht mag – aber anscheinend befürchtet, dass meine Mama und ich das in den 10 Monaten bis der ganze Stress um den 24. Dezember dann wieder losgeht vergessen haben könnten – erzählt er es uns ab Mitte Oktober regelmäßig. Und mit regelmäßig meine ich so gut wie täglich. Manchmal auch mehrmals täglich.

Meine grenzenlos geduldige und liebevoll harmoniebedürftige (um nicht zu sagen harmoniesüchtige) Frau Mama hatte dann vor einigen Jahren die lösungsorientiert pragmatische Idee einen kleinen Plastik-Christbaum zu kaufen und diesen –  um am 24. Dezember dann keinesfalls zu viel Zeit für’s Aufputzen zu brauchen (Zeit die VIELE Diskussionen mit sich bringen würde) –  unterjährig fix und fertig geschmückt auf dem Dachboden aufzubewahren.

Heute war sie ihren Baum am Dachboden besuchen um zu schauen wie es ihm denn so geht – bevor er in ein paar Wochen seinen großen, wenn auch sehr kurzen (der Baum darf nie länger als bis spätestens 27.12. aufgestellt bleiben), Auftritt hat.

Anscheinend hat aber auch ein Plastikchristbaum eine Seele. Der meiner Mama hat seit seinem letzten Kurztrip vom Dachboden ins Wohnzimmer meiner Eltern nämlich anscheinend schwere Depressionen erlitten. Depressionen die er durch schweren Haarausfall, respektive „Nadelausfall“ zeigt…

Wir haben nun also einen Plastikbaum, geschmückt mit ein paar Kugeln und verzweifelten Teddybären mit Weihnachtsmütze, ohne Nadeln…
Ich kann den armen Baum ja verstehen. Ein ganzes Jahr am Dachboden, geschmückt und – um nicht staubig zu werden – eingesperrt unter einem großen Plastiksack. Und dann, wenn es endlich um seinen großen Auftritt geht… Missachtung gepaart mit unendlich vielen Grundsatzdiskussionen über seine Anwesenheit. Also ich an seiner Stelle würde mit Sicherheit auch depressiv werden.

Und damit genau das aber nicht passiert hoffe ich noch immer auf einen Adventskalender aus der Apotheke… oder, da zu Weihnachten ja doch auch immer wieder Wunder geschehen, auf ein harmonisches Fest.

Zum Glück bleibt uns ja heuer noch genügend Zeit um jetzt erst einmal einen neuen Baum zu kaufen, diesen dann gut zu verstecken und meinen Vater möglichst behutsam darauf vorzubereiten, dass Weihnachten zwar auch heuer wieder kommen wird und er sich das Wohnzimmer für knapp 72 Stunden mit einem Plastikbaum teilen muss, es aber ganz bestimmt auch wieder vorbeigeht und er dann 362 ohne Baum glücklich vor sich hinleben darf. Bis zum nächsten Weihnachtsabend…

 

Die Zeichnung stammt aus der Feder von Leendert Jan Vis.