Glücklicher Leben

Die Sache mit dem inneren Kind…

… verlernen wir leider oft im Laufe der Zeit. Können Sie noch daran erinnern, wie toll das war, wenn man sich als Kind so richtig über etwas freuen konnte. Als wir das innere jubeln noch ganz unbeschwert ausgelebt haben und auch mal juchzend vor Freude vor unserer ersten Sandburg gesessen haben. Schön war’s!

Irgendwann verlernen viele von uns Erwachsenen diese Gabe dann aber leider sehr oft. Wir freuen uns, wenn überhaupt, nur mehr leise und in unserem Inneren. Das passiert insofern, weil wir ab einem gewissen Alter von außen suggeriert bekommen:“ Sei nicht so kindisch. Benimm dich wie es sich in deinem Alter gehört.“ Warum aber eigentlich? Was gibt es denn schöneres, als sich von ganzen Herzen zu freuen und das auch zu zeigen?

Heute in der Früh konnte ich im Zuge eines Strandspazierganges einen Mann beobachten der sichtlich schon eine ganze Zeit lang auf einem, ins Meer hinaus gebauten, Holzsteg gesessen hat. Mit einer kleinen Angel in der Hand. Und plötzlich springt dieser Mann jubelnd hoch und jauchzt vor sich hin. Was meine Aufmerksamkeit schürte und ich sehr gespannt beobachtete, welche spektakuläre Beute er denn jetzt aus dem Meer zieht. Es war ein Fisch. In der Größe einer Sardine. Aber… es war ihm egal. Er hatte etwas gefangen! Seine Reaktion darüber war in der Größenordnung, dass man als Außenstehender auch den Eindruck hätte gewinnen können, dass er den weißen Hai mit bloßen Händen erlegt hat.

Für ihn persönlich und seine eigene individuelle Erwartungshaltung war dieser kleine zappelnde Fisch aber einfach das Größte.
Ich habe dann noch eine ganze Zeit lang beobachtet, wie er mit seiner Beute nun weiter vorgeht und kam zu dem Entschluss, wenn ich irgendwann als Fisch wiedergeboren werde und mein Leben einem Fischer schenken muss, will ich genauso wertschätzend aus meinem kleinen Fischleben scheiden dürfen, wie dieser Fisch heute.

Es war unglaublich mit welcher Freude und Liebe der Fischer mit seiner Beute umging. Und am lustigsten war dann noch zu sehen, wie er am Ende seiner Rituale dann tatsächlich hocherfreut die Hände in die Luft getreckt hat und in dieser Siegerpose mindestens 2 Minuten dagestanden hat. Unglaublich!

Solche Siegerposen und diese unendlich große Freude, die einem in solchen Situationen im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht geschrieben steht, kenne ich sonst eher nur aus dem Fernsehen. Wenn jemanden etwas unendlich Großartiges gelungen ist – wobei, so eine Freude wie ich sie bei diesem Mann heute Morgen beobachten durfte, sieht man nicht einmal da in dieser wundschönen kindlich authentischen Ausprägung.

Ich habe dann beim Weiterspazieren so überlegt, wann ich mich das letzte Mal so richtig kindisch über etwas freuen konnte… Ich befürchte es war irgendwann in meiner Kindheit zu Weihnachten. Ich glaube an dem Abend, als ich meinen ersten richtigen Puppenwagen bekam. Dieser Mann heute war mindestens 60 Jahre alt. Und vollkommen im Einklang mit seinem inneren Kind und noch viel wichtiger, mit seinem eigenen freien Kind. Das will ich auch wieder! Zumindest will ich ab sofort meinem eigenen freien Kind wieder mehr Platz lassen und es nicht ständig selbst erziehen mit inneren Glaubenssätzen wie:“ Reiß‘ dich zusammen, du bist erwachsen und musst dich auch so verhalten. Was sollen die anderen Leute von dir denken, wenn du jetzt laut juchzend vor dich hin hüpft?“ Egal! Ich will mich wieder richtig freuen dürfen, wenn mir etwas gut gelungen ist. Auch, wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Wenn es mir damit gut geht, habe ich das Ziel ja erreicht. Was will ich denn dann immer noch mehr?