Glücklicher Leben

„Dein Vater ist in der Krise…“

Diesen Satz höre ich seitdem meine Eltern vor zwei Jahren in ihr neues Haus eingezogen sind und zudem beide in Pension sind fast täglich.

Wie bitte kann ein Mensch alleine so oft in der Krise sein? Und noch dazu, wo alle Rahmenbedingungen wirklich unübertrefflich perfekt passen würden. Meine Eltern sind beide gesund, was das größte Geschenk ist das man sich wünschen kann und die beiden sind finanziell so unabhängig, dass sie ihr Leben auch mit Urlauben & Co. wirklich genießen könnten. Und trotzdem ist einer von den beiden ständig unrund.

Wegen Dingen, um nicht zu sagen Banalitäten, wie Herbststürme – welche doch tatsächlich Blätter von den Bäumen pusten, die dann am Boden zum Liegen kommen und dort auch noch liegen bleiben… – eine mittlerweile Umweltkatastrophe. Oder Staubsauber die einmal zu fest saugen und bei dem neuen Spannteppich zu akuten Haarausfall führen, oder die zu wenig saugen und deshalb auch nichts taugen. Beides Umstände die dazu geführt haben, dass meine Eltern innerhalb der letzten 2 Jahre den vierten Staubsauger gekauft haben – und hier zähle ich die, die mein Papa nach dem ersten Saugen zurückgegeben hat gar nicht erst mit. Im Elektroladen gibt es mittlerweile bestimmt Mitarbeiter die sich verstecken sobald sie meinen Vater sehen – da bin ich mir sicher.

Es ist auch ein Problem wenn meine Mama etwas kocht und dafür nicht nur Töpfe anpatzen muss, sondern es dann vielleicht auch noch nach essen riecht. Dies führt bei meinem Papa zu emotionalen Katastrophen wie sie jemand anders wahrscheinlich nur erlebt wenn er beim Kochen unabsichtlich die neu gekaufte Miele-Küche abfackelt.

Und ich… ich bin mitten drinnen in dieser „dunklen, bösen“ Welt der (kleinen) Katastrophen. Wobei ich ja leider keine Katastrophen erkennen kann. Ganz im Gegenteil! Ich kann nur versuchen zu lernen diese ernst zu nehmen – besser gesagt, zumindest so zu tun. Wirklich ernst nehmen werde ich sie nie. Nur… wenn ich mir das zu sehr anmerken lasse führt das zur nächsten Katastrophe.

Ich glaube ja, dass das Lebensmotto meines Vaters lautet: „Ich hab‘ zwar überhaupt keine Probleme, aber weil das auch irgendwie fad ist mach‘ ich mir einfach welche. Und weil ich keine halben Sachen mag, mach‘ ich mir gaaaanz viele.“ Naja… und da meine Eltern seit mehr als 45 Jahren verheiratet sind macht meine Mama aus Solidarität einfach mal mit.

Mein einziger Wunsch ist eine „Bedienungsanleitung“ für Eltern in Pension – mit Haus. Oder genügend Rotwein um die Grundsatzdiskussionen rund um Herbststürme und Staubsauger, etc. besser verarbeiten zu können. Sollte ich jemals eine Leberzirrhose bekommen werde ich Vorwerk, Dyson & Co. jedenfalls dafür verantwortlich machen nie den perfekten Sauger für meinen Papa erfunden zu haben…