Glücklicher Leben

Danke…?

Heute morgen bin ich nach Düsseldorf geflogen und hab‘ bei mir selbst eine durchaus spannende Entdeckung gemacht. Nach einer einstündigen Verspätung des Fliegers wurden wir dann vor einer kleinen Propellermaschine gebeten aus Platzgründen unser Handgepäck vor dem Flieger abzustellen – auf einen Gepäckwagen. Ich war zu diesem Zeitpunkt, als ich mit Sack und Pack (ich reise nämlich prinzipiell nur mit Handgepäck, um dem Nervenzusammenbruch vorzubeugen, den ich erleiden würde, wenn meine Unterlagen nicht zeitgleich mit mir ankämen) organisatorisch noch etwas unstrukturiert. Damit meine ich, ich hatte „eigentlich“ keine Hand frei meinen Koffer auf den Gepäckwagen zu heben.

Neben dem Wagen standen zwei junge Herrschaften, in Flughafenkleidung. Sie gehörten also definitiv zum Flughafenpersonal. Vielleicht lag es an der frühen Uhrzeit, oder an ihrer Stimmung an sich – jedenfalls haben die beiden keinerlei Anstalten gezeigt mir mit meinem Koffer zu helfen – den anderen Passagieren aber übrigens auch nicht.
So habe ich diesen – was blieb mir auch anderes übrig – mit einer freien Hand und einer gewissen Grundakrobatik raufgehoben – relativ hoch, weil schon einige Koffer aufgetürmt waren…

Und dann machte ich meine Entdeckung… Ich habe mich bei den beiden Statisten in Flughafenkleidung bedankt. Ich hörte mich tatsächlich laut und deutlich und zudem auch wirklich höflich „Danke“ sagen. Auch, wenn ich selbst keine Ahnung habe, wofür ich mich hier bedankt habe. Dass Sie den Wagen nicht weiter weggeschoben haben, oder für was auch immer…

Im Flieger habe ich dann noch länger darüber nachgedacht, wie ich konditioniert bin und wie es viele andere sind. Und welche Werte wir früher von zu Hause mitbekommen haben und wie junge Menschen heute erzogen werden.

Da geht es jetzt gar nicht um meinen Koffer. Ich beobachte das sehr oft. Beispielsweise in der U-Bahn. Wenn ich, sobald ältere Menschen die U-Bahn besteigen und keinen Sitzplatz haben, aufstehe. Schüler aber einfach sitzen bleiben und überhaupt kein Interesse zeigen, ältere Menschen hinsetzen zu lassen.

Es gibt unendlich vieler dieser Beispiele. Trotzdem finde ich es wichtig, sich so zu verhalten, dass man sich selbst wohl fühlt. Und man anderen Menschen gegenüber hilfsbereit und wertschätzend auftritt und sich authentisch großzügig verhält. Dann hat man sich ein herzlich gemeintes „Danke“ nämlich auch wirklich verdient.
Im Gegensatz zu den beiden Statisten von heute morgen. Aber… besser einmal zu viel bedankt, als einmal zu wenig. Und vielleicht hatte mein herzliches „Danke“ ja eine Vorbildwirkung auf die beiden. Und wenn nicht, dann möchte ich zumindest glauben, dass es so ist und sie beim nächsten Mal den Passagieren, die keine Hand frei haben, helfen…