Glücklicher Leben

Blattsalat mit Sommertrüffeln & Stäbchen…

Diese Bestellung hat eine Dame vom Nebentisch gestern Abend in einem sehr schönen Wiener Restaurant neben mir aufgegeben. Am Anfang war ich mir ehrlicherweise nicht ganz sicher ob das jetzt nicht ein Scherz sei. Sie hat das Ganze dann aber tatsächlich genau in dieser Form serviert bekommen.

Abgesehen davon, dass mir die armen Sommertrüffeln wirklich leid taten, ihr Ende auf einem mit Essig und Öl marinierten Salat finden zu müssen und zudem auch noch mit Stäbchen verzerrt zu werden, hat es mir dann doch imponiert, eine solche Bestellung aufzugeben.

Ich selbst gebe auch leidenschaftlich gerne Sonderwünsche zum Besten. Aber auf sehr einfachen Ebenen wie: „Darf ich statt dem Reis bitte Gemüse haben.“… Für den Koch zwar lästig, aber prinzipiell umsetzbar.

Ich habe gestern aber dazugelernt, dass ich dabei gar nicht immer ein schlechtes Gewissen haben muss. Die Dame neben mir hat ihre Bestellung aufgegeben, ohne mit der Wimper zu zucken.

Das hat mich dazu bewogen, am Abend dann noch genauer darüber nachzudenken, warum manche (oder die meisten) Menschen ein schlechtes Gewissen haben, Sonderstellungen aufzugeben und sich eine „Extrawurst“ zu wünschen, und andere nicht.

Und ich kam zu dem Ergebnis, dass es genau an dieser „Extrawurst“ festgemacht werden kann. Nämlich basierend auf den Erfahrungen aus unserer Kindheit. Wenn wir von unseren Eltern und Großeltern, sobald wir beim Essen, oder auch in anderen Situationen, Sonderwünsche hatten, immer widergespiegelt bekamen, dass wir nicht so lästig sein sollten, nehmen wir diese Einstellung mit.

Irgendwann sind wir dann schon alt genug selbstbestimmt zu agieren, trotzdem schwingen diese „Glaubenssätze“, dass man das eigentlich nicht tun sollte, immer mit. Dementsprechend verunsichert drücken wir uns dann auch oft aus.

Warum kommunizieren wir aber nicht einfach auch, wie diese Dame gestern? Anscheinend hat sie diese Erfahrungen in ihrer Kindheit nicht gemacht – oder sie hatte einfach nur einen guten Therapeuten. Auf jeden Fall hat es genutzt!

Ich persönlich bin jetzt zu dem Entschluss gekommen, bei meinen Essens-Bestellungen ab sofort zu meinen eigenen Wünschen zu stehen. Und diese ohne schlechtem Gewissen zu kommunizieren. Im Endeffekt geht es doch darum, dass es mir schmeckt – auch wenn ich eine andere Zusammenstellung bevorzuge, als sie der Koch vorschlägt.

Wichtig ist dabei „nur“ es zwar selbstbewusst, aber wertschätzend rüberzubringen.

Also, weg mit den Glaubenssätzen, die uns ein schlechtes Gewissen machen und her mit selbstbewusst ausformulierten Sonderwünschen. Das Leben kann so schön sein, wenn man nur sagt was man sich erwartet. Selbst, wenn es Sommertrüffeln auf Salat mit Essig und Öl sind – und man diesen dann mit Stäbchen isst.
Wie auch immer Ihre Bestellungen fortan aussehen mögen… „Bon Appétit“ und viel Spaß und Freude beim Essen und Genießen!